Hitomi
und ich haben beschlossen heute früher anzufangen – eine Stunde im
Weinberg und dann den gewohnten Gang um neun zu Rod auf die Farm. Es
ging eine gefühlte Ewigkeit, bis wir aus den Betten waren... uns
beide plagte der Muskelkater, die allgemeine Erschöpfung und die
Hitze bzw.Schwüle, die uns schon früh am Morgen zu
Schweißausbrüchen trieb – bzw.mich mehr als Hitomi. Ich hab
sowieso den Verdacht, dass Asiaten weniger schwitzen als 'Weiße'.
Oder schwitze nur ich so unglaublich viel!?!?!
Rod
hat uns auf dem Feldweg abgefangen, die beiden Japanerinnen zum
Gießen ins Gewächshaus geschickt und mich mitgenommen um den
Käfigaufsatz für den Anhänger klar zu machen. Heute wurden nämlich
die 18 Schäfchen, die wir gestern aussortiert haben, abgeholt und
vom Käufer zum Schlachter gebracht (Rod bekommt 100AUD pro Schaf –
weiß jemand um die Preise für Schafe in Deutschland???). Ich hab
keine Ahnung, weshalb Rod gerade mich für diese Aufgabe ausgesucht
hatte – wahrscheinlich, weil ich von uns dreien die Stämmigste bin
– das heißt doch aber noch lange nicht, dass ich auch die meisten
Muckies hab, oder?!?! Es war eine ganz schöne Plackerei, bis wir den
Käfig auf dem Anhänger hatten. Anheben – Holzblock unterlegen –
anheben – unterlegen – dann ist das ganze Gebilde auch noch
beinahe umgekippt und ich hab es mit meinem KNIE abgefangen –
anheben – unterlegen – anheben – unterlegen und dann das
schwere Gestell auf den Hänger schieben. Ufff oO
Außer
der Sache mit der Schwitzerei hab ich noch weitere Eindrücke von den
Japanern kund zu tun: sie sind langsam!!! Ich selbst bin ja schon
nicht die Schnellste zu fuß – aber die beiden unterbieten mich
noch um Längen. Bei manchen Tätigkeiten auf der Farm legen sie ein
ordentliches Tempo hin – aber alles, was mit gehen oder laufen zu
tun hat – SCHNECKENTEMPO!!! Ich hab Hitomi mal darauf angesprochen
und sie gab ganz geknirscht zu, dass ihr das auch schon aufgefallen
sei. Außerdem sind die beiden (glaube ich) nicht die Hellsten –
heute sollten wir 90 Gurken-Setzlinge in zwei Reihen im Gewächshaus
einpflanzen... Sakiko war das Beet abgelaufen und so dachte ich, sie
hätte grob kalkuliert, welchen Abstand wir zwischen den einzelnen
Pflänzchen haben sollten um mit der Anzahl hinzukommen. Auf meine
Frage hin hat sie mich jedoch nur mit großen Augen angeschaut und
meinte, sie hätte lediglich die von der Gewächshausdecke
herunterhängenden Seile gezählt, an denen die Pflanzen hochwachsen
bzw.-klettern können. Es seien jedoch nur gut 20 Stück und in
unregelmäßigen Abständen und sie wisse jetzt auch nicht, wie wir
da jetzt 45 Setzlinge unterbringen könnten... BÜDDE????? Hitomi war
genauso ratlos und die beiden glotzten miteinander die Seile an, an
denen wir uns ohnehin nicht zu orientieren brauchten, da diese
VERSCHIEBBAR waren. Letztendlich haben sie beide geguckt wie Autos,
als ich die Strecke am Beet entlang abgelaufen, 25 Schritte gezählt
und verkündet hab, dass wir etwas größere Abstände als meine
Schritte nehmen und dann pro Schritt zwei Setzlinge in zwei Reihen
einpflanzen. Das ist doch Mathe der ersten Klasse oder nicht?!?! Team
Japan hat mich regelrecht mit Lob überschüttet als hätte ich
gerade aus einem Pappkarton eine Rakete gebastelt oO So langsam
dämmerte mir nun aber auch, was Rod gestern beim Pflanzen der
Setzlinge auf dem Feld meinte, als er mich anwies die erste 'Schicht'
der Korrekturen zu übernehmen und dazu sagte: 'Die Deutschen müssen
erst zeigen, wo's lang geht – dann kommen die Asiaten hinterher.'
Hahahahahahaha :D Generell mag ich ja Asiaten und fand den Spruch nun
im Nachhinein etwas fies – aber was mir bei den Beiden doch
ziemlich gegen den Strich geht, ist deren Wasserverbrauch – Sakiko
ist noch extremer als Hitmoi – sie spült nämlich ihr Geschirr
unter laufendem Wasserhahn und duscht gefühlte 30 Minuten mit voll
aufgedrehtem Wasser. Ich hatte Hitomi darauf angesprochen – sie
meinte, in Japan würde sich keiner Gedanken über Wasser- oder
Stromverbrauch oder Umwelt im allgemeinen machen. Sie selbst hätte
das auch erst hier in Australien gelernt, als auf einer ihrer
Wwoofing-Farmen das Wasser knapp war und sie drei Tage nicht duschen
konnten. Meine Frage jedoch, ob sie nun aus ihren Erfahrungen gelernt
hätte und zurück in Japan darauf verzichten würde ihr Geschirr
unter fließendem Wasser zu waschen, verneinte sie mit dem Kommentar,
dass wir doch genug Wasser auf der Erde hätten... was soll man dazu
noch sagen?!?! :-(
| Gurken pflanzen im Gewächshaus |
| Überall alte Karren auf dem Gelände |
Heute
war im Farm-eigenen Restaurant eine Weihnachtsfeier. Ich konnte es
kaum fassen – 35 Grad tagsüber und abends eine WEIHNACHTSFEIER!!
Hierfür benötigte Doug zwei von uns als Spülhilfen in der Küche
und Hitomi und Sakiko rissen sich beinahe um die Aufgabe.
Wahrscheinlich weil diejenigen, die heute Abend helfen, morgen mit
zum Markt in Daylesford dürfen. Hmmm... ich ging stark davon aus,
dass ich es überleben würde, wenn ich nicht mit nach Daylesford
kann und so genoss ich heute Abend die Einsamkeit in der Küche und
wuschtelte vor mich hin. Leider kam dabei nur ein brockiger
Kartoffelbrei und ne Schüssel voll Nudeln heraus. Was die Soße
angeht... joa... Soßen... da hab ich hier generell so meine
Probleme... nämlich: wie macht man eine Rahm- oder Bratensoße wenn
man keine Maggi- oder Knorr-Packung zur Hand hat???? Hahahaha :D
Wie ich sehe leistest Du da unten Entwicklungshilfe für Asiaten, ich dachte immer das die so Intelligent sind....:-)
AntwortenLöschenLg Birgit
ja, dachte auch, dass japaner was in der birne haben - offensichtlich doch nicht oO
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