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Mittwoch, 5. Dezember 2012

Wwoofen in Blampied Tag 10 - gemeinsam kochen


Ein weiterer kalter und windiger Arbeitstag auf dem Feld und im Weinberg war überstanden und wir freuten uns alle darauf abends gemeinsam zu kochen. Doug hatte uns nämlich tiefgefrorenes Lammfleisch und Hack zur Verfügung gestellt und Manon versprach uns was daraus zu zaubern. Im Laufe des Tages brachte Rod uns weitere Lebensmittel – jedoch wieder nichts, was auf unserer Liste und fehlte. Keiner von uns hatte nämlich Baked Beans oder Spaghetti in Dosen bestellt – wir wollten Gemüse!!! Doug ein weiteres Mal darauf anzusprechen würde seine Laune nicht unbedingt bessern – denn er wirkte die letzten Tage ohnehin schon genervt. Aber was sollen wir denn essen??? Sollten wir Rod fragen??? Die lassen uns hier schuften und wir bekommen dafür Spaghetti aus der Dose Oo Außerdem hatte Doug wohl Manon gefragt, wann Hitomi und ich abreisen würden... 1. wieso fragt er uns nicht selbst? 2. haben wir ihm bei unserer Ankunft gesagt, dass wir bis Weihnachten bleiben würden – also was soll das? Wegen der Bettwanzen in der anderen Unterkunft gerät er wohl gerade in eine Bredouille – denn Samstag kommen weitere Wwoofer an. Eine italienische Familie. Wir Mädels belegen alle drei Schlafzimmer im Wohnhaus und sonst gibt es keine weiteren Räume – also wohin mit den Italienern? Hoffentlich werden wir nicht wieder rausgeworfen... :-/

Lamm-Hackbällchen

Eischnee für die Lemon-Tarte


Manon is Profi - das Backpapier hat
nur ganz kurz gebrannt :D

Lammhackbällchen und Spinat auf Polenta


Abends saßen wir nach dem mehr als leckeren Essen noch zusammen und Manon packte ihren Alkoholvorrat aus. Sie steht nämlich sehr gut mit Dougs Schwiegervater, der wohl ne eigene, kleine, illegale Schnapsbrennerei im Keller hat und ihr immer mal wieder was Leckeres mitbringt. Haben geratscht und dabei sind seltsame Themen der verschiedenen hier vertretenen Länder aufgekommen. Beispielsweise zur Begrüßung die Hand oder Küsschen geben oder sich einfach nur knapp verneigen. Die unterschiedlichen Weihnachts- und Silvesterbräuche in Deutschland, Frankreich und Japan. Die Unterschiede zwischen Manons und meinen Gewohnheiten waren da nicht so unterschiedlich (wir sind ja schließlich Nachbarländer), weshalb ich jetzt eher auf die Besonderheiten in Japan eingehen werde:
Beispielsweise haben Japaner kein Feuerwerk zu Silvester – dafür ertönen im Schrein 180 Schläge am Gong. Und obwohl Hitomi zum Frühstück, Mittagessen und Abendessen am liebsten Reis isst – gibt es zu Silvester in Japan Nudeln. Logisch? Nein :D
Ebenfalls habe ich gestaunt, als die beiden von den japanischen Stundenhotels erzählt haben: Hotels mit verschiedenen Motto-Zimmern, die man für eine Stunde, oder wie lange man sich mit seinem Partner auch darin Vergnügen möchte, mieten kann – hier gibt es jedoch keine Rezeption (läuft so anonym wie möglich ab), sondern man schmeißt Bargeld in einen an der Tür angebrachten Automaten und sie springt auf.
Auch wurde mir heute der Wasserverbrauch in Bezug auf Körperhygiene der Japaner etwas näher erläutert. In japanischen Badezimmern gibt es nämlich einen Hocker, auf dem man Platz nimmt und sich mit Wasser aus einer Schüssel erst mal eine 'Vorwäsche' gönnt, bevor man sich in die Badewanne begibt um den Hauptwaschgang zu genießen. Am Ende folgt dann noch eine Dusche um sich die letzten Dreckreste abzuspülen – alles im allen wäscht man sich also drei mal!! Das Wasser in der Badewanne und Dusche wird übrigens über DIGITALE Temperaturregler eingestellt – man drückt ein Knöpfchen und es kommt Wasser mit exakt 35Grad Temperatur aus dem Brausekopf. Das kühle Nass in der Badewanne kann – wenn es irgendwann doch zu kühl wird – natürlich ebenfalls auf Knopfdruck wiedererwärmt werden. Wie viel Wasser und auch Zeit für diese tägliche Prozedur drauf geht, kann man sich also denken – Sakiko sprach von 3 Stunden... PRO TAG oO
Eine weitere Besonderheit in Japanischen Badezimmern – bzw. Toiletten sind die berühmten vollautomatischen Klos. Hier gibt es allerhand Knöpfchen, Brausen und sonstige unnötige Dinge, die den Klogang zu einem Erlebnis der besonderen Art machen. Zum Beispiel gibt es einen Knopf, der ein KlospülungsGERÄUSCH erzeugt. Japaner mögen es nämlich nicht, wenn andere ihr Piesel-Geräusch oder schlimmeres hören ;-) Immerhin ist dieser Soundeffekt besser als tatsächlich und komplett unnötig die Klospülung zu betätigen während sie urinieren ^^ Für die unteren, außen liegenden Organe gibt es dann noch diverse Wasserbrausen bei denen die Wassertemperatur ebenfalls je nach Wunsch eingestellt werden kann und ein Fön für den Allerwertesten darf natürlich auch nicht fehlen. Alles in Allem muss ich sagen: ich will mal nach Japan – und wenn ich dort nur aufs Klo geh!!!
Eine weitere Einrichtung – über die ich zuletzt in Geschichtsbüchern über das alte Rom oder Griechenland oder was auch immer gelesen hatte – sind öffentliche Badehäuser. Eine Art Nackt-Schwimmbäder glaube ich – in die tätowierte Menschen jedoch keinen Zutritt haben.

Zwischendurch haben wir noch nen Wochenplan gemacht
mit unseren freien Tagen - nicht ganz so intelligent diesen
Plan an einem Mittwoch Abend zu machen - da is die Hälfte
der Woche schon rum und die freien Tage müssen dann
noch irgendwie eingequetscht werden oO


Nach viel Gelächter über diese aufschlussreichen Eigenschaften der Japaner und nachdem Manon sich aus einigen Glasflaschen mit Deckeln und kochendem Wasser ihre eigenen Wärmflaschen gemacht hatte, sind wir ins Bett – keiner wollte so recht, denn die Küche war, nachdem wir uns länger darin aufgehalten und ständig Wasser für unsere Tees gekocht hatten, regelrecht 'warm' im Vergleich zu den anderen Räumen. Dennoch saßen wir hier alle in unseren Jacken – man kann sich also vorstellen, wie kalt es in den Schlafzimmern war... mit Sicherheit unter zehn Grad! Und das ohne Heizung?!?!?! Ich hab mir gar nicht erst die Mühe gemacht meine Mütze, die Leggings, die Jeanshose, die drei paar Socken, die zwei T-Shirts, den Fleecepulli oder meine Jacke auszuziehen und in meinen Pyjama zu schlüpfen – nein, ich bin angezogen wie ich es den ganzen Abend schon war in den Schlafsack gehechtet und hab mich zusätzlich noch mit meinem Strand-Badetuch und dem Sarong zugedeckt... nach einigen Minuten wurde es dann ein bisschen warm – oder ich hab es mir nur eingebildet – jedenfalls bin ich tatsächlich irgendwann eingeschlafen...

So sind wir nicht etwa angezogen, wenn wir raus wollen...
nein, das sind unsere 'Schlafanzüge' oO


Nachtrag: Da wir nicht mehr im Schuppen wohnen, kommen wir nun auch nicht mehr automatisch am Hühnerstall vorbei... dieser muss jedoch täglich morgens auf- und abends wieder zugemacht werden... also wurde wieder ausgeknobelt, wer den Hühnerstall schließen muss – Schere, Stein, Papier... hier kann niemand anderes verlieren als ICH :-( Also des Nachts mit ner Taschenlampe ganz allein über die Farm spaziert. Überall stehen alte Autos und Maschinen... irgendwie ganz schön unheimlich, wenn man ständig den Film 'Wolves Creek' im Kopf hat... hahaha... ich alter Schisser ^^

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