Ein
weiterer kalter und windiger Arbeitstag auf dem Feld und im Weinberg
war überstanden und wir freuten uns alle darauf abends gemeinsam zu
kochen. Doug hatte uns nämlich tiefgefrorenes Lammfleisch und Hack
zur Verfügung gestellt und Manon versprach uns was daraus zu
zaubern. Im Laufe des Tages brachte Rod uns weitere Lebensmittel –
jedoch wieder nichts, was auf unserer Liste und fehlte. Keiner von
uns hatte nämlich Baked Beans oder Spaghetti in Dosen bestellt –
wir wollten Gemüse!!! Doug ein weiteres Mal darauf anzusprechen
würde seine Laune nicht unbedingt bessern – denn er wirkte die
letzten Tage ohnehin schon genervt. Aber was sollen wir denn essen???
Sollten wir Rod fragen??? Die lassen uns hier schuften und wir
bekommen dafür Spaghetti aus der Dose Oo Außerdem hatte Doug wohl
Manon gefragt, wann Hitomi und ich abreisen würden... 1. wieso fragt
er uns nicht selbst? 2. haben wir ihm bei unserer Ankunft gesagt,
dass wir bis Weihnachten bleiben würden – also was soll das? Wegen
der Bettwanzen in der anderen Unterkunft gerät er wohl gerade in
eine Bredouille – denn Samstag kommen weitere Wwoofer an. Eine
italienische Familie. Wir Mädels belegen alle drei Schlafzimmer im
Wohnhaus und sonst gibt es keine weiteren Räume – also wohin mit
den Italienern? Hoffentlich werden wir nicht wieder rausgeworfen...
:-/
| Lamm-Hackbällchen |
| Eischnee für die Lemon-Tarte |
| Manon is Profi - das Backpapier hat nur ganz kurz gebrannt :D |
| Lammhackbällchen und Spinat auf Polenta |
Abends
saßen wir nach dem mehr als leckeren Essen noch zusammen und Manon
packte ihren Alkoholvorrat aus. Sie steht nämlich sehr gut mit Dougs
Schwiegervater, der wohl ne eigene, kleine, illegale Schnapsbrennerei
im Keller hat und ihr immer mal wieder was Leckeres mitbringt. Haben
geratscht und dabei sind seltsame Themen der verschiedenen hier
vertretenen Länder aufgekommen. Beispielsweise zur Begrüßung die
Hand oder Küsschen geben oder sich einfach nur knapp verneigen. Die
unterschiedlichen Weihnachts- und Silvesterbräuche in Deutschland,
Frankreich und Japan. Die Unterschiede zwischen Manons und meinen
Gewohnheiten waren da nicht so unterschiedlich (wir sind ja
schließlich Nachbarländer), weshalb ich jetzt eher auf die
Besonderheiten in Japan eingehen werde:
Beispielsweise
haben Japaner kein Feuerwerk zu Silvester – dafür ertönen im
Schrein 180 Schläge am Gong. Und obwohl Hitomi zum Frühstück,
Mittagessen und Abendessen am liebsten Reis isst – gibt es zu
Silvester in Japan Nudeln. Logisch? Nein :D
Ebenfalls
habe ich gestaunt, als die beiden von den japanischen Stundenhotels
erzählt haben: Hotels mit verschiedenen Motto-Zimmern, die man für
eine Stunde, oder wie lange man sich mit seinem Partner auch darin
Vergnügen möchte, mieten kann – hier gibt es jedoch keine
Rezeption (läuft so anonym wie möglich ab), sondern man schmeißt
Bargeld in einen an der Tür angebrachten Automaten und sie springt
auf.
Auch
wurde mir heute der Wasserverbrauch in Bezug auf Körperhygiene der
Japaner etwas näher erläutert. In japanischen Badezimmern gibt es
nämlich einen Hocker, auf dem man Platz nimmt und sich mit Wasser
aus einer Schüssel erst mal eine 'Vorwäsche' gönnt, bevor man sich
in die Badewanne begibt um den Hauptwaschgang zu genießen. Am Ende
folgt dann noch eine Dusche um sich die letzten Dreckreste abzuspülen
– alles im allen wäscht man sich also drei mal!! Das Wasser in der
Badewanne und Dusche wird übrigens über DIGITALE Temperaturregler
eingestellt – man drückt ein Knöpfchen und es kommt Wasser mit
exakt 35Grad Temperatur aus dem Brausekopf. Das kühle Nass in der
Badewanne kann – wenn es irgendwann doch zu kühl wird –
natürlich ebenfalls auf Knopfdruck wiedererwärmt werden. Wie viel
Wasser und auch Zeit für diese tägliche Prozedur drauf geht, kann
man sich also denken – Sakiko sprach von 3 Stunden... PRO TAG oO
Eine
weitere Besonderheit in Japanischen Badezimmern – bzw. Toiletten
sind die berühmten vollautomatischen Klos. Hier gibt es allerhand
Knöpfchen, Brausen und sonstige unnötige Dinge, die den Klogang zu
einem Erlebnis der besonderen Art machen. Zum Beispiel gibt es einen
Knopf, der ein KlospülungsGERÄUSCH erzeugt. Japaner mögen es
nämlich nicht, wenn andere ihr Piesel-Geräusch oder schlimmeres
hören ;-) Immerhin ist dieser Soundeffekt besser als tatsächlich
und komplett unnötig die Klospülung zu betätigen während sie
urinieren ^^ Für die unteren, außen liegenden Organe gibt es dann
noch diverse Wasserbrausen bei denen die Wassertemperatur ebenfalls
je nach Wunsch eingestellt werden kann und ein Fön für den
Allerwertesten darf natürlich auch nicht fehlen. Alles in Allem muss
ich sagen: ich will mal nach Japan – und wenn ich dort nur aufs Klo
geh!!!
Eine
weitere Einrichtung – über die ich zuletzt in Geschichtsbüchern
über das alte Rom oder Griechenland oder was auch immer gelesen
hatte – sind öffentliche Badehäuser. Eine Art Nackt-Schwimmbäder
glaube ich – in die tätowierte Menschen jedoch keinen Zutritt
haben.
Nach
viel Gelächter über diese aufschlussreichen Eigenschaften der
Japaner und nachdem Manon sich aus einigen Glasflaschen mit Deckeln
und kochendem Wasser ihre eigenen Wärmflaschen gemacht hatte, sind
wir ins Bett – keiner wollte so recht, denn die Küche war, nachdem
wir uns länger darin aufgehalten und ständig Wasser für unsere
Tees gekocht hatten, regelrecht 'warm' im Vergleich zu den anderen
Räumen. Dennoch saßen wir hier alle in unseren Jacken – man kann
sich also vorstellen, wie kalt es in den Schlafzimmern war... mit
Sicherheit unter zehn Grad! Und das ohne Heizung?!?!?! Ich hab mir
gar nicht erst die Mühe gemacht meine Mütze, die Leggings, die
Jeanshose, die drei paar Socken, die zwei T-Shirts, den Fleecepulli
oder meine Jacke auszuziehen und in meinen Pyjama zu schlüpfen –
nein, ich bin angezogen wie ich es den ganzen Abend schon war in den
Schlafsack gehechtet und hab mich zusätzlich noch mit meinem
Strand-Badetuch und dem Sarong zugedeckt... nach einigen Minuten
wurde es dann ein bisschen warm – oder ich hab es mir nur
eingebildet – jedenfalls bin ich tatsächlich irgendwann
eingeschlafen...
| So sind wir nicht etwa angezogen, wenn wir raus wollen... nein, das sind unsere 'Schlafanzüge' oO |
Nachtrag:
Da wir nicht mehr im Schuppen wohnen, kommen wir nun auch nicht mehr
automatisch am Hühnerstall vorbei... dieser muss jedoch täglich
morgens auf- und abends wieder zugemacht werden... also wurde wieder
ausgeknobelt, wer den Hühnerstall schließen muss – Schere, Stein,
Papier... hier kann niemand anderes verlieren als ICH :-( Also des
Nachts mit ner Taschenlampe ganz allein über die Farm spaziert.
Überall stehen alte Autos und Maschinen... irgendwie ganz schön
unheimlich, wenn man ständig den Film 'Wolves Creek' im Kopf hat...
hahaha... ich alter Schisser ^^
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