Heute
klingelte zum ersten Mal seit wir unterwegs waren ein Wecker – und auch nur,
weil wir um 8:30 Uhr am 'Super Pit Shop' sein mussten um uns für die Minentour
einzuschreiben. Entgegen der Infos im Internet konnten wir nämlich nicht vorab
telefonisch Tickets reservieren und wollten nicht riskieren den ganzen Weg nach
Kalgoorlie umsonst gefahren zu sein, da diese Minentour sehr populär und
schnell ausgebucht ist. Zunächst standen wir vor verschlossenen Türen – denn
anscheinend war der Shop umgezogen ohne irgendwelche Nachricht zu hinterlassen,
wo denn nun die neue Adresse sei. Hier findet jedoch jeden dritten Sonntag im
Monat ein Markt statt und so waren genug Menschen auf den Straßen, die wir um
Rat fragen konnten und kurze Zeit später saßen wir im Tourbus zur 'Super Pit'.
Wie schon beim Besuch der Mine an der Ostküste war ich auch hier hin und weg
von den riesigen Baumaschinen und dem noch viel größeren Loch, das in die Erde
gegraben wurde. In Kalgoorlie handelt es sich um eine Goldmine und die Fakten, die uns der Tourguide lieferte will
ich kurz auflisten:
–
die
'Big Girls' (Caterpillar 793 Mining Tuck) transportieren 240t Gestein
–
nur
eine von sechs Ladungen enthält Gold
–
jährlich
werden 22 Tonnen Gold aus der Mine geholt
–
die
Big Girls haben einen Tank, der 3790l Diesel fasst
–
die
mineneigene Tankstelle fasst 800.000l Diesel
–
1
Reifen wiegt 5 Tonnen und kostet 40.000AUS
–
alle
500 Betriebsstunden werden die Trucks gewartet
–
bergab
fahren sie 55km/h, bergauf 15km/h – ein Mal runter ins Loch und wieder hoch
geht eine Stunde
–
anscheinend
bevorzugen die Minenbetreiber weibliche Fahrer für die Dumptrucks, da Frauen
die sichereren Fahrer sind
–
noch
bis 2021 läuft der Pachtvertrag – danach wird die Super Pit wahrscheinlich
geflutet und Kalgoorlie bekommt einen See. Andere Möglichkeit: aus der Goldmine
wird eine Eisenerzmine.
–
Es
gibt alle denkbaren Schichtmodelle für die Minenarbeiter. Im Normalfall
arbeitet man jedoch 7 Tage durch und hat dann 7 Tage frei.
–
Einstiegsgehalt
für unqualifizierte Arbeiter beträgt 82.000AUD pro Jahr
–
Minenbetreiber
KCGM spendet so einiges für Forschung und wohltätige Zwecke: Zum Beispiel gibt
es in der Mine Dumptrucks, die pink angemalt sind und ein Teil deren Umsatzes
an eine Brustkrebsforschungseinrichtung (was'n Wort, hmm!!!) geht.
| Riesige Maschinen unten im Loch |
| Da fahren die Dumptrucks hoch und runter |
| Werkstatt |
| Man beachte die beiden Herren rechts neben dem Truck |
| Wie frueher Gold von Gestein getrennt wurde |
Nach
der Minentour haben wir bei 35 Grad im Schatten wie zwei Penner am Boden
sitzend zwischen den Marktbesuchern gefrühstückt und uns später auch unter's
Volk gemischt. Viel aufregendes gab es auf dem Markt leider nicht zu bestaunen
und wir beschlossen an einer Führung im alten Rathaus teil zu nehmen – mit der
Idee im Hinterkopf uns früher davon zu stehlen, sollte es zu langweilig werden.
Aus diesem Plan wurde dann jedoch nichts, da wir unglücklicherweise die beiden
einzigen Teilnehmer der Tour waren und dem älteren Herrn Tourguide nicht
entfliehen konnten, der so undeutlich sprach, dass wir kaum was verstanden.
Nicht einmal seine Fragen über Deutschland konnten wir ihm beantworten... Ob
wir denn viele Artdeco-Gebäude in Deutschland hätten??? Was ist denn bitte
Artdeco??? Hahahaha ^^ Und ob in Deutschland Privatpersonen kleinere
Rechtsfälle übernehmen können – quasi als selbsternannter Anwalt... ööööhm...
häää??? Wir hatten keine Ahung wovon der gute Mann sprach...
| Der Vorhang sieht aus wie echt - ist aber gemalt |
| Hinter den Kulissen |
Nachdem
wir die Führung im Rathaus überstanden, eine Weile im Park einer wirklich
schlechten Band gelauscht und im Touristeninformationszentrum die Info bekommen
hatten, dass man im hiesigen McDonalds mit 100%iger Sicherheit die Steckdosen
benutzen darf und dies auch taten, verließen wir Kalgoorlie in Richtung Westen.
| schlechte Band |
| Man beachte unser Kabelgewirr unter der Sitzbank |
| Riss ist noch laenger geworden |
| Eindruecke von Kalgoorlie und Boulder |
| aktuelle Spritpreise |
Richtung
Westen zu fahren heißt der untergehenden Sonne entgegen und genau diese
Tageszeit haben wir erwischt. Dabei stellten wir uns die komplett idiotische
Frage, wo eigentlich bei uns daheim die Sonne auf und unter geht und ob das
hier in Australien anders sei. Jeder kennt den Reim...
Im Osten geht die Sonne auf
Im Süden nimmt sie ihren Lauf
Im Westen wird sie untergehen
Im Norden ist sie nie zu sehen
...oder
so ähnlich. Aber gilt das auch für Australien bzw. die südliche Hemisphäre?
Eigentlich schon, oder? West und Ost bleibt immer und überall auf der Welt
gleich – nur Nord und Süd sollte bezüglich des Sonnenstandes dann in o.g. Reim
vertauscht sein?? Am Ende waren wir komplett verwirrt und wussten nicht mal
mehr, ob wir den Reim überhaupt noch richtig im Kopf hatten. Diese grenzenlose
Verwirrung konnte aber auch an der Tatsache gelegen haben, dass besagte
untergehende Sonne uns dermaßen blendete, dass wir vor lauter
Augen-zusammenkneifen schon Kopfweh hatten. Als es dann auch noch darum ging
einen LKW zu überholen, der uns schon minutenlang Blinkzeichen gab um uns
mitzuteilen, dass die Straße frei sei – wir jedoch nichts sahen außer
gleißendes Licht – setzten bei mir irgendwann alle Sinne aus und ich beschloss
einfach: Augen ganz zu und durch!!! Immerhin bin ich dadurch zum ersten Mal
seit über einem halben Jahr wieder in den Genuss gekommen 150 Kilometer pro
Stunde zu fahren :D
| Wir mussten fuer einen ueberbreiten Schwertransport die Strasse raeumen |
| Huntsman Spinne |
Der
Camps6-Campingführer zeigte uns auf dem 'Great Easten Highway' mindestens drei
in Frage kommende Übernachtrastplätze auf – an zweien müssen wir vorbeigefahren
sein, ohne es überhaupt mitbekommen zu haben. Mal wieder Zeugnis für die
bescheidene Straßenbeschilderung Westaustraliens... was bringen denn
Parkbuchten oder Rastplätze für nachts-fahrende, übermüdete Autofahrer, wenn
diese so schlecht ausgeschildert sind, dass man sie nicht mal bei Tag finden
könnte?!?! Gelandet sind wir im Endeffekt in einem kleinen Park im Örtchen
Burracoppin, wo wir mal wieder nicht sicher waren, ob man hier über Nacht
stehen darf oder nicht – es uns aber irgendwann egal war und wir bei immer noch
26Grad Außentemperatur (im Auto waren es gefühlte 40Grad!!) unsere Nachtruhe
antraten. Wir schwitzen dermaßen, dass wir sogar - ganz entgegen meiner
eigentlich eher umweltschonenden Gewohnheiten – ab und an das Auto starteten um
die Klimaanlage anschmeißen zu können. Es war einfach unfassbar heiß :-(
| In Burracoppin |
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