Mein
Holländischer Hostelmitbewohner Kevin hatte mir von Jobagenturen in Perth
erzählt, die ich heute aufsuchen wollte. Jeden Morgen um 10:30Uhr werden bei
der Agentur 'Aussiejobs' die aktuellen Stellen ausgerufen und es soll zugehen
wie auf einem Markt. Daher war ich schon eine halbe Stunde eher dort – man will
ja zu den ersten gehören – und staunte nicht schlecht, eine Menschen-Schlange
bis auf die Straße hinaus vorzufinden. Kaum waren die Tore geöffnet drückten
dutzende junger Menschen in das kleine Büro und die Managerin las die aktuellen
Stellenangebote vor. Wer Interesse an einem der Jobs hatte, hob die Hand oder
machte sich sonst irgendwie bemerkbar. Dabei werden diejenigen bevorzugt, die
bereits bei der Jobagentur registriert sind. Da dies mein erster Besuch hier
war, stellte ich mich auf eine lange Wartezeit ein um zumindest meinen
Lebenslauf und den Anmeldebogen abgeben zu können. Nach 3 Stunden – ich war
gerade im netten Gespräch mit meiner Nebensitzerin – kam ein Anruf rein und die
Managerin rief: 'Wer kocht gerne, möchte im Outback leben und kann morgen schon
abreisen? Muss weiblich sein!' Ich schaute in die Runde und da sich keines der
anwesenden und bereits registrierten Mädels meldete, hob ich in einem Anflug
von Größenwahn einfach mal die Hand und hatte 15 Minuten später einen Job in der
Tasche. Die Bezahlung sollte nicht gerade der Bringer sein – dafür aber sind
Unterkunft und Verpflegung inklusive und in dem Moment war mir die Höhe des
Gehalts eh nicht all zu wichtig – ich wollte einfach nur einen bezahlten
Vollzeit-Job um etwas Kohle reinzukriegen.
| Warteschlange |
Total
perplex und überrumpelt, weil die Jobsuche nun doch so schnell ein Ende
gefunden hatte, kehrte ich zum Hostel zurück stieß mit meinen beiden
Zimmer-Mitbewohnerinnen Kate und Annabel direkt auf meinen Erfolg an. Da
Annabel heute Perth und uns verlassen würde hinterließ sie mir und Kate eine
Flasche Rotwein, derer wir uns am Abend gleich annahmen und obwohl ich
eigentlich nicht vor hatte groß zu feiern, weil ich am nächsten Morgen mit
meinem neuen Chef ins Outback fahren sollte, ließ ich mich sogar noch überreden
mit ins 'Deen' zu gehen. Das Ende vom Lied: ich war hackedicht, hatte drei
Typen an der Backe und torkelte erst morgens um fünf zurück ins Zimmer. Die
Gemeinschaft hier im Hostel ist wirklich toll – abends sitzen alle zusammen im Hinterhof,
grillen und trinken und dann geht man geschlossen noch auf Tour. So hab ich das
bisher noch in keinem anderen Hostel in Australien erlebt – dass jeder mit
jedem redet und jeder mit jedem Freund ist.
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