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Sonntag, 5. Mai 2013

Dalwallinu - drei Monate später

Donnerstag, 7. Februar 2013 – Sonntag, 5. Mai 2013




Ich sollte doch tatsächlich volle drei Monate in Dalwallinu (kurz: Dally) bleiben... mein ursprünglicher Plan - mir von hier aus einen besser bezahlten Job zu suchen - löste sich in Luft auf, da ich mich hier so schnell eingelebt hatte, dass ich eigentlich gar nicht mehr unbedingt weg wollte. Ein weiteres Hindernis für die erneute Jobsuche war das hiesige WLAN!!! Ich bekam einfach keine Verbindung zustande und wusste nicht, woran es liegen könnte. Laut Laura und Becky geht es immer einige Tage, bis Computer oder Smartphones zum WLAN verbinden können und wie lange man dann Online ist, kann man nie wissen. Keiner weiß so recht warum – aber es nervt. Manche Geräte bekommen NIE eine Verbindung – wie mein blödes Billig-Smartphone Samsung Galaxy Y :-(

Die Sache mit der eher schlechten Bezahlung (465AUD pro Woche) war zwar noch immer ein Minuspunkt – aber immerhin hat sich das Thema Schwarzarbeit erledigt, denn die Steuern werden offiziell abgeführt und auch die Rentenzahlungen würden wohl geleistet – hierzu war ich wochenlang hinter meinem Chef 'Smiley' her und er versicherte mir irgendwann, dass die Zahlungen quartalsweise abgerechnet würden und ich dann ein Schreiben darüber bekäme.


Die erste richtige Gehaltstüte meines Lebens


Die ersten Wochen waren saumäßig heiß – draußen hatten wir täglich 40Grad und in der Küche waren es trotz Klimaanlage gefühlte 50Grad :-( Man kann sich vorstellen, wie uns bei der Arbeit der Schweiß in Strömen die Körper hinunter gerannt ist. Leider konnte ich mich nicht mal auf eine kalte Dusche nach Feierabend freuen, denn die Leitungen waren derart aufgeheizt, dass selbst aus dem Kaltwasser-Hahn nur brühwarmes Nass heraus kam. Was Wasserströme angeht: In den ganzen drei Monaten hat es zwei Mal richtig geregnet und was sonst vom Himmel kam, waren nur vereinzelte Tropfen – an vielleicht gerade mal 4 oder 5 Abenden. Auch im australischen Outback zieht jedoch irgendwann der Winter bzw. zunächst der Herbst ein und Ende April wurde es dann ganz schön frisch. Zwar konnte man tagsüber noch gut in kurzen Hosen und T-Shirt herumspazieren – aber Abends war dann doch ein Pulli angesagt. Als 'kalt' würde ich es dennoch nicht bezeichnen – denn in wirklich kalten Nächten hatten wir immernoch um die zehn Grad. Anscheinend kann es im Winter tatsächlich mal Frost geben – aber das werde ich wohl nicht mehr miterleben.

Bardame Becky (28, Britin), die schon seit einem ganzen Jahr hier im Pub arbeitet, und ich kamen wunderbar miteinander klar, obwohl sie eher zum robusteren Typ Frau gehört, der selten nachdenkt, bevor er den Mund auf macht. Sie liebt es im Mittelpunkt zu stehen und sich selbst reden zu hören und auch wenn wir in diesen Charaktereigenschaften nicht gerade übereinstimmen, hatten wir eine Menge Spaß zusammen und konnten Stunden lang quatschen. Ein Mal fuhren wir nach ihrer Schicht in der Bar zu ihren irischen Kumpels auf eine nahe gelegene Farm nur um dort die halbe Nacht zusammen zu sitzen. Ein anderes Mal fuhren wir mit den im Pub wohnenden Stahlarbeitern zu den Bahngleisen, die sie gerade warteten und hüpften dort stundenlang auf der Baustelle herum. Wir fuhren 140km nur um im 'Nachbar-Ort' zu Abend zu essen, weil wir mal andere Gesichter und anderes Pubessen zu sehen bekommen wollten. Wir spielten stundenlang Billard im Dally Pub oder fuhren nachts zum Football-Feld um nen Ball hin und her zu werfen. Wir waren gemeinsam im Freibad, saßen täglich auf dem Balkon und ratschen und veranstalteten unzählige Filmabende...


Tödliche Redback-Spider (Rotrückenspinne)

Brad und ich als wir Beckys Bestätigung fürs zweite Visum feierten

freuchtfröhlicher, nächtlicher, voll bekleideter Besuch im Pool eines Bekannten





Barmaids Laura (Finnin) und Becky



Ausflug zu Wartungsarbeiten an Bahngleisen







Wir waren es nicht - es war schon tot!!!




Trish, Becky und ich

Nürnberger Bernhard, den ich in Lucky Bay kennengelernt hab, hat mich hier im Outback besucht





Tun wir es oder tun wir es nicht??? ...

... wir tun es!!!!!!!!!!


Die Arbeiter, die hier im Motel übernachten, stellen Nachts ihre Arbeitsstiefel vor die Tür :D







Ab und zu war ich joggen... schlappe 4km ^^

Zeitvertreib in der Bar - 50Cent-Stückchen aufeinander stellen

Ich hab vier geschafft


Besucher auf dem Badezimmer-Fenstersims



Zum Abendessen bei Phillippino-Freundin und Küchenhilfe Ian und ihrem Mann Jimwell

Karaoke-Nacht mit meinen Küchen-Girls bei Ian zu Hause. Phillippinos sind verrückt nach Karaoke!!

Ian machte den Anfang


Ian, ich, Vikky und Sarah



Auch ich musste ran - es war schrecklich und nach Abbas 'Dancing Queen' hat es sich wirklich nicht angehört



Sarahs Freund Hayden und Ians Ehemann Jimwell

Mit meinen Kollegen auf dem Balkon. Becky, Lucia, Ich und Alex





Schoko-Osterhase von Becky

Gründonnerstags-Besäufnis auf dem Balkon
Hier: Fox und Lucia



Lucia und Becky


Alex und Lucia

Karfreitag - Ausflug zum Strand in Jurien Bay (2 Stunden Fahrt einfach)

Da war wohl noch jemand geschafft von der gestrigen Nacht



Unser Chauffeur



Becky, Lucia und Mark springen von der Jetty




Sandburgen bauen


Auf der Rückfahrt schliefen sie dann alle drei ^^


Verrückter Abend - Becky und ich trugen je einen Schuh des anderen. 



Kleines Schoko-Osterei im Türrahmen von Chefin Julie

Galahs



Da hab ich mir mal was gegönnt :D


Roadtrain-Unfall in Dally... kommt davon, wenn man nur gerade Straßen hat... kommt dann mal
eine einzige Kurve, fliegt man raus...  :(

Sieht schlimmer aus als es war - der Fahrer hatte 'nur' nen gebrochenen Arm... außerdem war er
anscheinend besoffen.

Auf'm Weg nach Wongan Hills (70km entfernt)

Hier gibt's im Pub sogar ne Tischtennisplatte...

...wir haben allerdings direkt den Ball geschrottet

Eines Nachmittags hab ich Becky zum Frisör begleitet...

...und als sie hungrig wurde, hab ich ihr aus dem Pub ne Schüssel Cornflakes geholt... hahaha


So sahen wir am nächsten Morgen aus, wenn wir tags zuvor Party gemacht haben und
im gleichen Bett eingeschlafen sind.

ANZAC Day (Gedenktag der gefallenen Soldaten aller Kriege, in denen Australien und Neuseeland gekämpft haben).
Becky wollte allen ernstes in ner Jogginghose zur Gedenkfeier gehen - ich konnte sie aber überzeugen sich ne Jeans anzuziehen.

Gedenkfeier


Sarah, ich und Ian im Pub, als wir ne Live-Band hier hatten (27.April 2012)

Die verrückten Philippinos wollten alle ein Bild zusammen mit mir und Gráinne und standen schon Schlange :D

;
Kirsten, Sarah, Tessa (Sarahs Schwester), Ian und ich bei der Band-Nacht

Sarah, Harry und Tessa tanzen

...wir alle haben getanzt.

Diese Tausendfüßler können ganz schön böse zu stechen

Football... ich werde es nie verstehen oO



Wenn Becky Tagschicht in der Bar hatte, hab ich ihr oft Gesellschaft geleistet :D

Harry

Als Lucia aus dem Pub ausgezogen is, hab ich ihr ein Glas Nutella zum Abschied geschenkt

Lucia und Ron - ein Rentner ohne Zähne, der jeden Morgen Stunden an der Bar sitzt und Coke Zero trinkt.

Megan, Lucia und ich

Wir hatten eine lustige Fotosession im Pub


Gráinne, Lucia, Becky und Henning.
Henning und ich waren die einzigen Deutschen in Dally.

Lucia, Helen, Gráinne und Becky

Becky und Joe

Ich, Harry, Henning, Lucia und Bec

OHNE WORTE

Lucia, Joe und Fox

Pub-Hund Lucky. Sie bekam jeden Abend Fleisch, das auf den Tellern der Gäste übrig war.

Bei den Iren im Haus - nachdem der Pub schließt (unter der Woche um 22:00 und Wochenends um 00:00 Uhr
geht man meist noch zu jemandem nach Hause um weiter zu feiern.



Ein anderer Karaoke-Abend bei Ian zu Hause. Sie hat immer lecker
philippinisch für uns gekocht.


Hayden und Sarah


Ich und meine Küchen-Mädels




...was sollte man auch sonst groß unternehmen? Dally hat in dieser Hinsicht leider nicht all zu viel zu bieten. Das Freibad hatte ab April saisonbedingt geschlossen und da man zu den unmöglichsten Zeiten arbeitet, hat natürlich kaum ein anderer frei, wenn man selbst seine Schicht beendet hat. Immerhin hatte ich es nun endlich geschafft mein Buch, das ich seit meiner Ankunft in Australien mit mir herum geschleppt und bisher keine einzige Seite gelesen hatte, in nicht mal einer Woche zu Ende zu bringen und da ich dann Lese-Nachschub brauchte, führte mein Weg mich irgendwann zur ortsansässigen Bibliothek. Hier wurde mir nach kurzem Geplauder jedoch mitgeteilt, dass die kurzzeitigen Mitgliedschaften für Backpacker abgeschafft worden waren nachdem sie einige Bücher einfach nicht zurück bekamen. Wer macht denn sowas?? Einfach mit nem Buch abhauen, das man aus einer Bibliothek ausgeliehen hat?? Da die Bibliotheks-Angestellte und ich uns auf dem selben Terrain bewegten was Lieblingsthemen für Bücher angeht, nahm sie mich aber beiseite und zeigte mir einige Kartons voller Bücher, die die Bibliothek doppelt hätte und in nächster Zeit an den Second-Hand-Shop spenden würde. Ich könne mir hier 2-3 Bände aussuchen und unbezahlt und unbehelligt mitnehmen. Das wäre schon in Ordnung. Oh man – wie nett, oder??? :D


Eines der Bücher, die ich aus der
Bibliothek mitgenommen hab. Mal
schauen, ob ich dazu komme es
anzufangen.


Außerdem haben wir hier ein 'Staff-Car'... ein altes Auto, das Smiley vor gefühlten 100 Jahren für seine Backpacker-Angestellten angeschafft hat. Man braucht viel Geduld um die Karre zu starten, sie sieht innen aus wie eine Müllhalde, man musste vor jeder längeren Fahrt das Öl und Kühlwasser checken und man sollte nicht schneller als 90km/h fahren, da anscheinend ein Backpacker mal bei 110km/h einen Motorschaden verursacht hat. Ich konnte die Panik jedoch nicht nachvollziehen – im Gegenteil: bei 110km/h lief die Karre durchaus ruhiger als bei 90 und auch der Gestand nach Verbranntem wurde weniger – hahaha. Man konnte den Tank entweder nicht mehr voll tanken oder die Tanknadel der Anzeige spinnte – jedenfalls wusste man nie genau wieviel Sprit man spazieren fuhr und wie weit man noch kommt. Dies könnte durchaus zum Problem werden, denn immerhin waren wir im Outback und manchmal ist die nächste Tankstelle 100km entfernt – man muss eben jedes Mal tanken, wenn man die Möglichkeit hat oO Und genau mit diesem abenteuerlichen Staff-Car bin ich an meinen freien Tagen gelegentlich auf Tour gegangen. Ich war in Joondalup (Vorort von Perth – 2 Stunden Fahrt einfach) und in Midland (2 Stunden Fahrt einfach) shoppen, war zwei Tage bei einem Bekannten in Toodyay (2 Stunden Fahrt einfach) und besuchte einen anderen in Merredin (3 Stunden Fahrt einfach). In Australien ist es überhaupt nicht aussergewöhnlich für einen kurzen Besuch eine mehrstündige Fahrt auf sich zu nehmen – allerdings muss man sich genau überlegen, ob man sein hart verdientes Geld tatsächlich in Sprit investieren möchte – denn dieser ist in Australien auch nicht umsonst.


Staff-Car... Schrottkarre!!!

Hat schon einige KM auf dem Buckel

Und die Fahrertür war nur noch auf
Umwegen zu öffnen


Das Staff-Car war also – wenn es denn mal lief – zuverlässiger als es den Anschein machte... dennoch ist es nicht gutmütiger als andere Autos und verzeiht keinerlei Dummheiten... dies musste ich am eigenen Leib erfahren, als ich in Midland war: Ich war im Morgengrauen gekommen und das blöde Auto hat dummerweise kein akkustisches Signal, wenn man vergisst das Licht auszuschalten... ich kam also nach mehreren Stunden im Shoppingcenter zurück und die Karre ging nicht mehr an. Zunächst dachte ich, es seien nur die normalen Startschwierigkeiten – aber als ich dann zufällig den Hebel für das Licht sah musste ich über meine eigene grenzenlose Dummheit laut lachen und guckte danach erst mal ziemlich verdattert drein. Was mach ich denn nun?! Ich ging schnell meine Bekanntschaften aus dem Dally Pub im Kopf durch – aber keiner von ihnen wohnte in der Nähe von Midland oder war gerade in Perth – also beschloss ich einfach auf dem Shoppingcenter-Parkplatz herumzufragen, ob jemand zufällig ein Starthilfekabel dabei hat. Bei den vielen Allrad-Fahrzeugen in Australien ist diese Wahrscheinlichkeit gar nicht so gering und nach einer halben Stunde hatte ich tatsächlich jemanden gefunden, der willig war mir zu helfen und ich konnte die Rückfahrt antreten. Dabei überlegte ich, ob die Sache mit der Batterie die Strafe für meinen Shopping-Rausch war... ich hatte mir nämlich Stiefel gekauft, die ich nun wirklich nicht brauchen konnte... aber ich musste sie unbedingt haben, weil sie mir einfach so unheimlich gut gefallen hatten. Nach der Panne mit der Autobatterie war jedoch die Freude über diese Stiefel wie weg geblasen und ich überlegte, ob ich sie Becky überlassen sollte.


Perth aus Richtung Toodyay kommend
Leider muss der kleine Rastplatz am Berg als
illegale Müllabladestelle herhalten :-(




Shopping Center

Tjo... die Batterie war leer :-(

Und ich gebe den Stiefeln die Schuld!!

Immerhin hab ich mir endlich ein neues Bikini-Top
gekauft. Ich mochte mein altes - das Material hatte
jedoch den Geist aufgegeben. Ich hatte mir von Tchibo
Qualität mehr erhofft :-(

Die haben hier auch solche Apfelschäler- und schneider :D






Ich arbeite nicht nur drei Monate in einem Pub sondern lebte auch in dem selbigen – dies wurde mit der Zeit ziemlich anstrengend: Man hat nämlich nie seine Ruhe!! Selbst an freien Tagen traf man immer auf Kollegen und die Chefs. Außerdem sind die Einheimischen und auch die hier arbeitenden Iren so scharf auf Frischfleisch unter den Bardamen, dass so gut wie täglich jemand heimlich zum Notausgang eingestiegen und auf unserem Balkon erschienen ist, wo wir allabendlich nach Feierabend gemütlich beisammen saßen. Das haben die Herren ganz gut geregelt: nämlich am frühen Abend schon einen alten Stiefel in die Notausgang-Tür geklemmt und nach Sperrstunde dann einfach die Feuertreppe hoch gekommen. Da die Bardamen immer bis Ende arbeiteten konnte natürlich auch keine den Stiefel aus der Tür nehmen, wodurch dieser Job an manchen Abenden mir zu fiel (in der Küche arbeiteten wir nur bis 20:30Uhr). Aber mal im Ernst: den Notausgang zu schließen schreckte zwar ab – aber wenn jemand wirklich auf den Balkon will, schafft er das auch ohne offenen Notausgang. Ich hab schon Kerle ne Räuberleiter auf's Damen-Klohaus machen sehen, von wo aus man dann auch auf den Balkon kommt. Wirklich schlimm wurde es nur immer, wenn besoffene Pubgäste des Nachts noch an unsere Zimmertüren klopften und um einen Schlafplatz oder mehr baten. Vor 'Staff only'-Schildern hat hier nämlich scheints niemand Respekt und manchmal ging ich wirklich mit einem mulmigen Gefühl über den Flur – man wusste ja nie, wann wieder jemand auftauchen würde.



Der Stiefel in der Notausgang-Tür


Schon recht früh nach meiner Ankunft in Dally erfuhr ich, dass ich nicht nur Sarahs rechte Hand in der Küche sein, sondern auch selbst in naher Zukunft Küchenchefin spielen sollte. Sarah würde nämlich Ende März für fast drei Wochen im Urlaub sein und brauchte in dieser Zeit eine Vertretung. Und das sollte ich machen??? Jemand, der es hasst für andere zu kochen aus Angst jemanden zu vergiften??? Jemand, der noch nie in seinem Leben ein T-Bone- oder Porterhouse-Steak gebraten hat??? Jemand, der noch nie groß Verantwortung im Job für irgendwas übernehmen musste, sollte jetzt drei Leute herumkommandieren und dutzende von Mahlzeiten pro Abend an den Gast bringen??? Jemand, der noch nie für mehr als zwei Personen eingekauft hat soll nun die wöchentlichen Bestellungen für eine Pubküche machen??? Ach du Sch...!!!!!!!
Pub-Essen. Im Restaurant gab's dann nochmal einige
andere zusätzliche Gerichte



Und dann war es soweit: ich übernahm den Chef-Kochlöffel. Zunächst nur an zwei Tagen pro Woche, an denen Sarah frei hatte und dann war sie für drei Wochen mit ihrem Freund in Neuseeland.
Eins ist klar: ich beschwere mich nie wieder im Restaurant, wenn mein Steak nicht genau so gebraten ist, wie ich es bestellt habe – man bezahlt zwar nen Haufen Geld für solch nen Mockel Fleisch... aber der arme Koch hat unter Umständen ein dutzend Steaks auf der Platte, von denen jedes unterschiedlich lang gebraten sein möchte und da is es manchmal doch nicht ganz so einfach den Überblick zu behalten. Außerdem wollen Australier ihre Steaks nicht wie bei uns in drei Abstufungen (blutig, medium und durch)– sondern in fünf (rare, medium-rare, medium, medium well, well-done). Da soll mir mal bitte einer beweisen, dass er den unterschied zwischen einem medium und einem medium-well Steak sehen oder schmecken kann!!! oO Im Normalfall muss man aber glaube ich sowieso damit rechnen, dass man sein Steak zu durch bekommt – also wieso nicht einfach Medium-Rare bestellen, wenn man eigentlich Medium will? Kann so schwer doch nicht sein ^^
Gleich an meinem ersten Abend ohne Sarah in der Küche kamen drei Gruppen à 8 Personen in das Restaurant spaziert – zuzüglich der Bestellungen aus dem Pub musste ich ungefähr 60 Mahlzeiten zubereiten. Wo kamen denn nur all die Leute her??? Die vorangegangenen Wochen war es in Dally verhältnismäßig ruhig gewesen und nicht selten waren schlappe 5 Gerichte pro Abend an der Tagesordnung sodass wir oft sogar jemanden vom Küchenpersonal frühzeitig nach Hause schicken mussten, weil es einfach nichts zu tun gab. Und kaum bin ich alleine in der Küche kommen alle angerannt??? Das ist doch gemein!!! ...als würden sie riechen, dass jemand Neues hier ist, den man auf die Probe stellen mus :-/ Dieser erste Abend war jedoch noch lange nicht der schlimmste meiner Chefkoch-Karriere hier in Dally: eine Woche bevor Sarah ging, bekamen wir einen neuen Backpacker, der meine Aufgaben an der Fritteuse übernehmen und mich unterstützen sollte. Alex (21, Brite) ist zwar ein netter Zeitgenosse aber er sieht einfach alles viel zu locker, cool und gechillt. Wenn er beispielsweise zum Mittagessen das Geschirr spülen sollte, meinte er immer, er hätte ja noch Zeit und bla bla – aber dass mir dann irgendwann die Kochlöffel und Pfannen ausgingen wenn er mir die gebrauchten nicht spült, hat er nicht kapiert. Außerdem konnte er Ewigkeiten damit zubringen Servietten zu falten, während ich in der Küche herumrannte und mir meine Beilagensalate selbst machen musste. Auch mischte er immer das frisch zubereitete Gemüse mit dem zwei-Tage-alten, das wir zunächst noch aufbrauchen sollten, sodass wir am dritten Tag dann auch die frischen Sachen wegschmeissen mussten. Zum Desaster wurde es aber erst recht, als er Abends an die Fritteuse sollte – er hat Pommes halb frittiert (noch kalt innen) raus geschickt, Gemüsebeilagen vergessen zu erhitzen bevor er sie den Bedienungen mitgegeben hat und andauernd hat er mich die banalsten Dinge gefragt – mich also beinahe in den Wahnsinn getrieben. Ich war zwar verantwortlich in der Küche – aber ich muss mich doch auch auf denjenigen verlassen können, der mir zuarbeitet und kann nicht alles kontrollieren was er rausschickt, oder??? Ich für meinen Teil hatte mir zumindest alles aufgeschrieben, was Sarah mir je erklärt hat – sodass ich sie künftig nicht mit immer den selben Fragen nerven musste – aber Alex hat einfach immer und immer wieder gefragt und es sich auch nach dem zehnten Mal nicht merken können. Da mir leider die durchaus praktischen Gemütszüge für Geduld und Ruhe komplett fehlen (erst recht, wenn ich selbst gestresst bin), war ich irgendwann dementsprechend ruppig zu Alex und es kam nicht selten vor, dass ich Küchenallraounderin Ian einfach an Alex' Platz an der Fritteuse stellte und ihn den Abwasch machen ließ. So war zumindest garantiert, dass meine Pommes auf die Teller kamen bevor sie wieder bzw. immer noch kalt waren.






Meine erste Bestellung, die ich alleine
abgefertigt hab

Merkzettel mit allen Notizen, die ich mir gemacht hab

Sonntags gab es Roast... entweder Roast Chicken, Rind oder Lamm

Salatsoßen gibt es hier in kleinen Plastikbehältern,die
geknickt werden, aufplatzen und man dann
die Soße heraus presst.

Känguru-Eintopf

Bacon-Egg-Toast

Kaitlyn und ich naschen heimlich Kuchen

Lana (Sarahs Mutter und Managerin im Pub) und Kaitlyn

Unsere Spezalität: verbranntes Knoblauchbrot

An einem Tag hatte ich zum Mittagessen sagenhafte
ZWEI Gerichte zu kochen. Mein eigenes und das der
anderen Bardame ('Guess who' weil sie IMMER das
gleiche aß... jeden Tag zum Mittagessen Caesar Salad)

Ian und ich beim Zwiebeln schneiden - Mensch, haben wir geheult


Am Mittwoch, 28. März dann die Katastrophe: es kamen von 18:00-20:00 Uhr durchgehend Bestellungen rein – nicht unbedingt immer viele auf einmal aber im Minutentakt kam Bestellung um Bestellung rein und ich hatte einfach keine Zeit mal durch zu schnaufen oder überhaupt meine Arbeitsfläche sauber zu wischen oder den Grill abzukratzen. Dazuhin noch Alex' Unfähigkeit und seine ständige Fragerei und ich konnte irgendwann einfach nicht mehr an mich halten und hab los geheult. Ian, Vikky und Alex wussten gar nicht mehr, was sie sagen oder tun sollten. Ich war derart überfordert und wirklich kurz davor alles hinzuschmeißen, meine Sachen zu packen und zu fuß die 300km nach Perth zu laufen. Wie können die hier von jemandem, der nie zuvor in nem Restaurant oder Pub gekocht hat, erwarten, dass er solche Massen abfertigt – und dazuhin noch einen Neuling einarbeitet, der sowieso tut was er will und absolut keinen Plan von gar nichts hat? Ich wusste einfach nicht mehr, wie mir geschah – konnte die ganze Situation nicht begreifen und das Resultat waren 2 Stunden Tränen. Da half es auch nicht, dass Becky und Chefin Julie abwechselnd alle zehn Minuten in die Küche kamen um mir zu sagen, dass alles gut ist – sich keiner über das Essen beschwert, alle zufrieden und satt wären und ich doch endlich aufhören sollte zu heulen... im Gegenteil... sowas macht es doch nur schlimmer. Und am Ende hab ich glaub auch gar nicht mehr geheult weil ich heillos überfordert war – sondern weil ich mich der Tränen schämte, die ich zuvor vergossen hatte - hahaha. An diesem Abend schloss Julie die Küche sogar schon um 20:00Uhr anstatt um 20:15Uhr, weil sie mein Dilemma nicht weiter mit ansehen konnte und tat mir damit wirklich einen riesen Gefallen.
Wie dem auch sei – es gab danach noch weitere solcher Abende... zwar ohne Geflenne – aber ähnlich im Arbeitspensum und ich hab mir einfach immer wieder gesagt, was meine Mama mir geraten hat: 'Lass dich nicht wieder so stressen – einfach eins nach dem anderen.' Mir war es dann auch wirklich sch... egal, ob manche Gäste fast eine Stunde auf ihr Essen warten mussten... Julie hat mir versichert, dass das normal und vollkommen in Ordnung sei bei so vielen Bestellungen. Ich denke, sie war im Endeffekt wirklich zufrieden mit mir und meiner Arbeit. Des Öfteren kam sie nämlich nach Feierabend in die Küche um mir dies mit zu teilen und zwei Mal haben sie und Smiley mich sogar zur Seite genommen um mir zu sagen, dass sie froh seien mich hier zu haben und auch Sarah froh sein kann, dass ich ihre Vertretung mache. Sie sagten allen Ernstes, dass die Küche – der Ofen und die Herdplatten im Speziellen - schon lange nicht mehr so sauber und der Vorratsschrank lange nicht mehr so gut sortiert gewesen sei wie in den drei Wochen, in denen ich hier die Hosen an hatte.

An dieser Stelle möchte ich auch noch meinen speziellen Dank an T.S.aus F.in D. aussprechen für die moralische Unterstützung während meiner schlimmsten Stunden in der Dally Pub-Küche... danke für's zuhören und texten, wenn ich rumgemotzt hab :-*



Wir hatten Pizzaböden im Freezer und eines Tages
hab ich mir ne Thunfisch-Pizza mit Zwiebeln gemacht.
Für Australier UNDENKBAR sowas zu essen oO

Küchen-Bestellungen

Riesiger Mockel Fleisch... für
die Steaksandwiches...

....in Streifen schneiden und mit dem Fleischklopfer
flach prügeln.

Apfelmuss durch nen Strohhalm trinken :D

Lammkeule... soooo lecker

Ian kocht für uns Küchenpersonal ihren leckeren Fried Rice
Wir haben ihn alle geliebt!!!



Bei der Arbeit... alle am Handy :D

Ian hat für mich Phillippinischen Schoko-Reis gekocht...

...mit Milch hatte ich das fast eine Woche lang zum Frühstück

Überreife Bananen hab ich vor der wegwerfwütigen
Sarah gerettet und Bananenmilch daraus gemacht

Kichererbsensalat

Vicky und ich beim Nutella-Brot mampfen


Normaler Abend im Pub... Hot Plate voll mit Steaks

PFANNKUCHEN!!!!

Becky war total scharf auf meine Pankaces



Grainne und ich - sie wird meinen Platz in der Küche
übernehmen, wenn ich Dally verlasse.

Da hatte ich mit dem Spülmittelkanister nen
kleinen Unfall :D

Sogar an Kartoffel-Rösti hab ich mich versucht - sind mir aber
verbrannt oO



Küchen-Schicht-Plan und To-Do-Lists

Zwei Garnelen - ein Herz :D



Ich hab dummerweise kein 'Vorher'-Bild gemacht... aber
der Herd sah schlimm aus oO

Hier sieht man an der Wand links nachher und rechts vorher

Mit nem Handbesen hab ich monatealte
Essensreste, tiefend vor Fett, unter dem Herd
und der Fritteuse vorgekehrt



Ich hab nen Apfelkuchen als Nachspeise für's
Restaurant gebacken - im Endeffekt haben wir in der
Küche allerdings den ganzen Kuchen selbst gegessen.

Fried Rice

Popcorn als Snack in der Küche

Irish Stew für St.Paddys Day

So sah es aus, wenn Alex den Abwasch machte.
Dreckiges Geschirr überall.


Nicht die einzige Verbrennung, die ich
mir zugezogen habe...
...nur die beiden schlimmsten.



Julie wollte Kartoffelsalat - sie hat nen Schwäbischen
bekommen und ihn geliebt!!!

Klößlesuppe

Ian hat selbstgemachte Frühlingsrollen mitgebracht

Meine Bolognese-Sauce war DER Renner!!


Ich hab sie literweise gekocht
In riesigen Töpfen
Drei Ettagen voll im großen Kühlschrank
mit Spaghetti Bolognese, die vom
Football-Club als Catering abgeholt wurden



Die Arbeit in einer Pub-Küche hat zwar den Vorteil, dass man immer an der Quelle sitzt, wenn es um Mahlzeiten geht – andererseits bestehen diese aber größtenteils aus frittierten Speisen. Es wird einfach alles in die Fritteuse geschmissen oder in der Pfanne in Fett ertränkt. Die Gemüsebeilagen sind außerdem komplett ungewürzt. Gelbe Rüben, Weißkohl, Spargel, Mais, Erbsen, Bohnen, Kürbis – alles wird einfach nur gekocht und ungewürzt serviert. Nach Rückfrage meinte Sarah, dass das hier eben normal sei – die Gäste würden nur mit Salz und Pfeffer würzen... aber so ganz ohne Geschmack??? Nee nee nee... nicht mein Fall – also blieb ich vorerst bei den ungesunden Sachen und nach nur wenigen Wochen sah ich aus als würde ich explodieren – wer mich kennt, kann sich natürlich vorstellen, dass ich ständig am naschen war und von jedem Teller mindestens ein Pommes in meinen Magen gewandert ist. Da bleibt natürlich eine Gewichtszunahme nicht aus, die sich darin bemerkbar machte, dass meine Arbeitshose im Schritt aufplatzte als ich mich eines Abends bückte und ich auch meine Jeans kaum noch zu bekam. Es musste sich also was ändern und ich begann jeden Tag nur Reis und Garnelen zu essen... wovon ich jedoch auch schnell die Nase voll hatte und mir irgendwann allein vom Garnelen-Geruch schon übel wurde. Außerdem sah ich in jedem Porterhouse-Steak, das raus ging, einen leckeren Zwiebelrostbraten mit Spätzle und so beschloss ich eines Tages mich dieser Aufgabe anzunehmen: Es war zwar kein Rostbraten sondern 'nur' ein Steak vom Grill, die Soße war viel zu weinlastig und die Spätzle waren keine Spätzle sondern Knöpfle. Aber im großen und ganzen war meine Kreation total lecker!!!! Wie ich die Spätzle hergestellt habe, war allerdings ein Abenteuer für sich – ich hatte mir nämlich nach Rücksprache mit T.S.aus F.in D. den Spätzleria von Tupper (http://www.tupperware.de/produktwelt/combiplus-spaetzleria ) zum Vorbild genommen und in eine Aluminiumschale mit einem Kuli Löcher gestochen, sie über einen Topf mit kochendem Wasser gestellt, den Teig eingefüllt und mit einem Holzkochlöffel darin herumgeschabt bis unten aus den Löchern die Knöpfle heraus ins Wasser plumpsten. Unglücklicherweise backte der Teig in der Schale durch die Hitze fest und verstopfte die Löcher, sodass ich aus Teig für vier Portionen lediglich eine Handvoll Knöpfle heraus brachte – dennoch war ich zufrieden mit dem Ergebnis.


DieHose hat's zerrissen OO




Mein Special: Chicken Parma und Pommes in einem Burger



Würstle werden hier frittiert
Wir haben neue Töpfe von Julie bekommen.... BLAU :D

Mein Spätzle-Versuch...

...endete mit festgebackenem Teig...

...und nur nem kleinen Dessert-Teller voll Spätzle...

...bzw.Knöpfle. Aber auch darauf kann man Kässpätzle
machen...

.... und nem Zwiebelrostbraten als Beilage geben.
Die Zwiebeln hab ich übrigens in Mehl geschwenkt
und dann frittiert, damit sie knusprig werden.
Die Soße hab ich zusammengepfutscht aus Bratensoße
mit Rotwein.



Der unangenehme Teil der Arbeit im Pub waren meine montaglichen Schichten in der Bar. Da ich allein durch die Arbeit in der Küche meine Wochenstunden (38h) nicht voll bekam, musste ich Montags noch in der Bar ranhalten. Hierzu musste ich – obwohl ich eigentlich als Küchenhilfe angestellt war – doch noch das RSA (Australische Genehmigung zum Ausschank von Alkohol) für 60Dollar im Internet machen und mich dann von 17:00-22:00 Uhr Montags hinter die Bar stellen. Ich bin eher der Typ für 'hinter den Kulissen' – ich mag es nicht im Mittelpunkt zu stehen und das tun hier die Bardamen definitiv. Nicht umsonst wollen Julie und Smilie die Barmaids nur weiblich und alleinstehend. Frau soll nämlich mit der vorwiegend männlichen Kundschaft ordentlich flirten – so gehen mehr Bestellungen über die Theke. Außer der Tatsache, dass ich es überhaupt nicht mochte von allen angegafft und zugelabert zu werden kam noch hinzu, dass man bei nur einer Barschicht pro Woche nun wirklich nicht in die Arbeit rein kommt. Ich musste quasi jede Woche von Neuem die Preise, das Kassensystem und die Anordnung der Flaschen in den unzähligen Kühlschränken lernen und kam mir teilweise vor die der letzte Idiot, der überhaupt gar nichts kapiert. Man sah mir meine Qualen wohl an – denn die meisten Pubgäste versuchten mich all-montaglich aufzuheitern und waren geduldig mit mir. Manchmal rissen sie sogar Witze und meinten, ich würde drein schauen, als hätte man vor wenigen Minuten meinen Hund überfahren – hahaha.
Außerdem ging es eine Zeit, bis ich mich – als Barmaid sowie als Pubgast auf der anderen Seite der Bar – daran gewöhnt hatte, dass hier im Outback Pub einfach jeder seinen Geldbeutel oder Bargeld an der Stelle auf dem Tresen liegen lässt, wo er zu Beginn des Abends angefangen hat zu trinken. Mit zunehmendem Alkoholpegel geht man dann natürlich auf Wanderschaft im ganzen Pub und hält sich mal hier und mal da auf. Die Herausforderung für die Barmaids ist in dem Fall: selbst wenn der Gast am anderen Ende der Bar was bestellt, immer noch zu wissen wo dieser zu Beginn des Abends seinen Bargeldhaufen oder seinen Geldbeutel liegen gelassen hat und einfach das Geld dort weg zu nehmen. Becky beispielsweise kann sogar die PIN-Zahlen unzähliger Kreditkarten von Stammkunden auswendig, die ihr einfach immer nur die Karte zum Bezahlen geben ohne ihr zum Terminal zu folgen, wo die PIN eingegeben werden muss.

Das Gute in der Zeit, in der ich Sarah als Köchin vertreten hab, war, dass ich von den Barschichten befreit war – und als Sarah wieder hier und Alex und ich beide nur noch Küchenhilfen waren, sah ich es überhaupt nicht ein, dass ich zusätzlich in der Bar arbeiten sollte, während Alex keine Extra-Stunden machen musste. Wäre das nicht sogar eine Art der Diskriminierung? Nur, weil ich eine Frau bin, muss ich zusätzlich in der Bar arbeiten während Alex Däumchen drehen darf? In einer etwas abgeschwächteren Form hab ich dies auch direkt Chefin Julie wissen lassen und sie stimmte mir zu, dass es unfair wäre und strich mich vom Bar-Schichtplan. Als ich das Sarah erzählte schaute sie mich mit großen Augen an, da hier wohl sonst niemand wagt sich gegen Julie aufzulehnen. Aber irgendwie muss ich bei Julie wohl echt nen Stein im Brett haben – sie war nämlich keinesfalls sauer oder fühlte sich auf den Schlips getreten. Auch nicht, als ich ihr eines Abends klipp und klar sagte, dass es von einem ungelernten Koch etwas zu viel verlangt sei das stressige Ostergeschäft im Restaurant zu übernehmen. Auch hier stimmte sie mir zu und beteuerte erneut, wie froh sie sei, das ich durchgehalten hatte.

Es gab hier allerdings so einige strenge Regeln, die uns von Julie auferlegt wurden: pro Schicht konnte man sich nur ein Getränk nehmen, während der Arbeit in der Bar waren keine Handys erlaubt, man durfte sich nicht am Tresen abstützen, bzw. mit den Ellbogen darauf lehnen, jeder Klogang musste angekündigt und jede Zigarettenpause erbeten werden, wir duften nicht zu oft teure Steaks zu Abend essen, wir mussten wöchentlich unsere Zimmer saugen und die Bettwäsche waschen und wenn man gegen eine dieser Regeln verstieß wurde man von Julie gemaßregelt wie ein kleines Kind das sich heimlich am Honigtopf zu schaffen gemacht hat. Außerdem wusste Julie einfach alles – genauso wie ein Hirte alles über seine Schäfchen weiss: sie wusste Bescheid, welche Barmaid mit welchem Pubgast nach Feierabend noch einen Videoabend machte oder auf einer Hausparty war. Sie wusste morgens ganz genau, wer des Nachts noch auf den Balkon gestiegen kam. Und wenn man einen über den Durst getrunken hatte, konnte man es sowieso nicht verheimlichen. Julie wusste einfach alles. Und was Julie wusste, weiß im Handumdrehen der ganze Ort. Manchmal war das ganz schön unheimlich – aber irgendwelche Kameras in den Angestellen-Unterkünften oder auf dem Balkon konnte ich nicht finden ^^

Was den Alkoholkonsum angeht, so ist dies traurigerweise Hobby Nummer 1 hier – es war ganz schön anstrengend sich den ständigen Einladungen zum Besäufnis zu entziehen. Außerdem war ich ja auch hier um Geld zu verdienen und in erster Linie auch Geld für meine nächsten Unternehmungen zu sparen und wollte mich nun beim besten Willen nicht jeden Abend besaufen. Aus diesem Grund – und weil ich tagsüber ja sowieso nur Wasser trinke und mir nur jedes Schaltjahr mal ne Cola genehmige – fing ich nach Rücksprache mit Julie an meine täglichen 'Staff-Drinks' in Alocpops umzuwandeln und in meinem Zimmer zu bunkern bis ich genug zusammen hatte um mir und Becky einen feuchtfröhlichen Abend bescheren zu können. Tja – ich bin und bleibe nunmal Schwabe :D

Und ich bin nicht nur Schwabe sondern auch etwas grün angehaucht... deshalb ging mir hier die Verschwendung ziemlich gegen den Strich, derer ich täglich Zeuge wurde: in der Küche wurden Aluminium-Einwegschalen einfach für alles benutzt und danach weggeschmissen – als könnte man nicht nen Teller nehmen und danach spülen – die Spülmaschine lief ja eh alle fünf Minuten (egal ob voll oder nicht). Genauso wie wir in der Küche immer aus Plastikbechern tranken, obwohl wir an der Quelle der Tassen und Gläser saßen. Auch bei den abendlichen Trinkgelagen auf dem Balkon gab es nur Plastikbecher – wieso nicht einfach Gläser mit hoch nehmen und am nächsten morgen wieder ins Pub zurück bringen? Ich verstand die Welt nicht mehr. Außerdem standen regelmäßig Autos vor'm Bottleshop mit laufendem Motor, weil die Fahrer kurz was im Shop kaufen wollten. Ich sah sogar jemanden, der sein Auto laufen ließ, während er im Pub ein Feierabend-Bier trank. Wenn ich mit Becky Abends im Bad gemeinsam Zähne geputzt hab, hab ich immer den Wasserhahn abgedreht – man braucht ja nun wirklich nicht das Wasser laufen lassen, während man sich die Zähne putzt – diese zwei lächerlichen Handgriffe sollten nicht zu viel verlangt sein. Es waren immer nur Kleinigkeiten und ich wollte nie jemandem meine Meinung aufdrücken – hab immer nur gesagt, wie und wieso man es anders machen 'könnte' – und dies nahm Sarah irgendwann zum Anlass mich zum Spaß gelegentlich 'Greenie' (australisch für 'Öko') zu nennen. Geändert hat sich allerdings nichts am Konsumverhalten meiner Kollegen und Bekannten – man trinkt immer noch aus Plastikbechern, stellt dem Hund ne Aluminiumschale anstatt einer spülmaschinenfesten Schüssel hin, lässt die Klimaanlage im Zimmer den ganzen Tag laufen obwohl man arbeiten ist, alle verfügbaren Lichter brennen und das Auto laufen, wenn man schnell was einkaufen geht... es ist wirklich schwer zu verstehen, wieso nicht jeder ein winzig kleines bisschen Mehraufwand betreiben und so seinen Teil zum Ganzen beitragen kann... aber man kann die Welt nunmal nicht von einem Tag auf den anderen ändern, gell?!?! :-(




Sonstige Geschehnisse:
  • ich traf einen australischen LKW-Fahrer, der – als ich erzählte, dass ich Deutsche sei – plötzlich anfing in krassestem Schweizer-Deutsch zu reden. Wie ich geglotzt hab, kann man sich wohl vorstellen – von Australiern erwartet man nicht, dass sie eine andere Sprache sprechen als Englisch. Immerhin ist Englisch der Schlüssel zur Welt und wird überall verstanden. Und wenn einer dann mit solch ner Extrem-Version der deutschen Sprache daher kommt, staunt man dann schon mal nicht schlecht.

  • Meine japanische Wwoofing-Freundin Hitomi, mit der ich in Victoria unterwegs war, kontaktierte mich einges Tages via Facebook um zu fragen, ob ich in Lucky Bay eine Gruppe Koreaner kennengelernt hätte. Sie hätte das Bild meines Tattoos auf der Camera ihres Kumpels gesehen, den sie gerade in Korea besucht. Ach du Sch... - wie klein diese Welt doch ist!!!

  • Genauso widerlich, wie ich Vegemite finde – empfindet Köchin Sarah über Nutella. Sie versteht nicht, wieso man sich Schokolade aufs Brot schmieren sollte und ich kann absolut nicht nachvollziehen, weshalb man sich Suppenwürze aufs Brot packt – hahaha.

  • Ist man im Outback im Auto unterwegs und trifft nur alle halbe Stunde auf ein anderes Auto, winkt man sich gegenseitig zu – wie es bei uns daheim die Motorradfahrer zu tun pflegen. Man freut sich hier wohl nur einfach ein anderes Lebewesen zu sehen zu bekommen.

  • Nachdem der Freibadwärter und Rettungsschwimmer sah, wie ich meine Bahnen im Pool drehte, lud er mich ein am Wettbewerb 'Dally to Rotto' teilzunehmen. Jedes Jahr gibt es in Perth ein Wettschwimmen, das von Perth nach Rottnest Island geht und ungefähr 19km lang ist. Um hier in Dally den Einwohnen einen Ansporn zu geben sich fit zu halten und zum Pool zu kommen veranstalten sie was ähnliches: man lässt nach jedem Besuch seine geschwommenen Runden aufschreiben und wenn man am Ende 19km (760 Bahnen) geschafft hat, bekommt man ein T-Shirt. Da die Saison nur wenige Wochen nach meiner Ankunft zu Ende war, schaffte ich leider nur 200 Bahnen – aber bekam dafür zumindest ein Armband :)

  • Gelesene Bücher während meiner Zeit in Dally:
'Blut und Silber' – Sabine Ebert
'Jane Eyre' – Charlotte Bronte


  • Gehörte Hörbücher:
'Das Fest' – John Grisham
'Sie da oben, er da unten' - Cordula Stratmann
'Der Alchimist' – Paolo Coelho

  • Und übrigens: Schulenglisch ist echt ein Witz. Vergesst alles, was ihr gelernt habt. He/she/it - das S muss mit... hier sagen alle 'It DON'T matter' - was ich eigentlich als 'It doesn't matter' gelernt hab. Außerdem höre ich ständig 'you WAS' anstelle von 'you were'. Ob das nun Slang oder einfach nur faules Englisch ist, hab ich noch nicht herausgefunden - tortzdem verwirrt es mich zunehmend.



  • mit einem der Farmer – Boyd – hab ich mich super gut verstanden und an einigen meiner freien Tage nahm er mich mit zum nächtlichen sprayen und ließ mich Traktor fahren oder helfen die Schafe zusammen zu treiben. Schafe sind ja soooooo süß :D

Boyds Traktor

Computer im Traktor, der alles berechnet, was
gesprüht wird

Find me!!

Boyd und ich

Der Sprayer ist so breit, ich hab ihn kaum auf ein Foto bekommen.



Ganze Nacht über gesprüht... und plötzlich war es wieder Tag


Ich durfte auch mal fahren :D

An nem anderen Tag waren wir dann Schafe zusammen
treiben

Und mussten eines retten, das sich im Zaun verfangen hatte

Galahs überall

Und Schafe überall :D




In der farmeigenen Werkstatt

am Tag als der neue Sprayer geliefert wurde

Der so hoch ist, dass ich bequem darunter
stehen kann

Werkstatt



Und ne andere Nacht sprayen


Eine Rainmoth - 'Regenmotte' - riesige Falter!!





Nach'm Sprayen gab's dann Frühstück bei Boyd daheim


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