Donnerstag,
7. Februar 2013 – Sonntag, 5. Mai 2013
Ich
sollte doch tatsächlich volle drei Monate in Dalwallinu (kurz:
Dally) bleiben... mein ursprünglicher Plan - mir von hier aus einen
besser bezahlten Job zu suchen - löste sich in Luft auf, da ich mich
hier so schnell eingelebt hatte, dass ich eigentlich gar nicht mehr
unbedingt weg wollte. Ein weiteres Hindernis für die erneute
Jobsuche war das hiesige WLAN!!! Ich bekam einfach keine Verbindung
zustande und wusste nicht, woran es liegen könnte. Laut Laura und
Becky geht es immer einige Tage, bis Computer oder Smartphones zum
WLAN verbinden können und wie lange man dann Online ist, kann man
nie wissen. Keiner weiß so recht warum – aber es nervt. Manche
Geräte bekommen NIE eine Verbindung – wie mein blödes
Billig-Smartphone Samsung Galaxy Y :-(
Die
Sache mit der eher schlechten Bezahlung (465AUD pro Woche) war zwar
noch immer ein Minuspunkt – aber immerhin hat sich das Thema
Schwarzarbeit erledigt, denn die Steuern werden offiziell abgeführt
und auch die Rentenzahlungen würden wohl geleistet – hierzu war
ich wochenlang hinter meinem Chef 'Smiley' her und er versicherte mir
irgendwann, dass die Zahlungen quartalsweise abgerechnet würden und
ich dann ein Schreiben darüber bekäme.
 |
| Die erste richtige Gehaltstüte meines Lebens |
Die
ersten Wochen waren saumäßig heiß – draußen hatten wir täglich
40Grad und in der Küche waren es trotz Klimaanlage gefühlte 50Grad
:-( Man kann sich vorstellen, wie uns bei der Arbeit der Schweiß in
Strömen die Körper hinunter gerannt ist. Leider konnte ich mich
nicht mal auf eine kalte Dusche nach Feierabend freuen, denn die
Leitungen waren derart aufgeheizt, dass selbst aus dem
Kaltwasser-Hahn nur brühwarmes Nass heraus kam. Was Wasserströme
angeht: In den ganzen drei Monaten hat es zwei Mal richtig geregnet
und was sonst vom Himmel kam, waren nur vereinzelte Tropfen – an
vielleicht gerade mal 4 oder 5 Abenden. Auch im australischen Outback
zieht jedoch irgendwann der Winter bzw. zunächst der Herbst ein und
Ende April wurde es dann ganz schön frisch. Zwar konnte man tagsüber
noch gut in kurzen Hosen und T-Shirt herumspazieren – aber Abends
war dann doch ein Pulli angesagt. Als 'kalt' würde ich es dennoch
nicht bezeichnen – denn in wirklich kalten Nächten hatten wir
immernoch um die zehn Grad. Anscheinend kann es im Winter tatsächlich
mal Frost geben – aber das werde ich wohl nicht mehr miterleben.
Bardame
Becky (28, Britin), die schon seit einem ganzen Jahr hier im Pub
arbeitet, und ich kamen wunderbar miteinander klar, obwohl sie eher
zum robusteren Typ Frau gehört, der selten nachdenkt, bevor er den
Mund auf macht. Sie liebt es im Mittelpunkt zu stehen und sich selbst
reden zu hören und auch wenn wir in diesen Charaktereigenschaften
nicht gerade übereinstimmen, hatten wir eine Menge Spaß zusammen
und konnten Stunden lang quatschen. Ein Mal fuhren wir nach ihrer
Schicht in der Bar zu ihren irischen Kumpels auf eine nahe gelegene
Farm nur um dort die halbe Nacht zusammen zu sitzen. Ein anderes Mal
fuhren wir mit den im Pub wohnenden Stahlarbeitern zu den
Bahngleisen, die sie gerade warteten und hüpften dort stundenlang
auf der Baustelle herum. Wir fuhren 140km nur um im 'Nachbar-Ort' zu
Abend zu essen, weil wir mal andere Gesichter und anderes Pubessen zu
sehen bekommen wollten. Wir spielten stundenlang Billard im Dally Pub
oder fuhren nachts zum Football-Feld um nen Ball hin und her zu
werfen. Wir waren gemeinsam im Freibad, saßen täglich auf dem
Balkon und ratschen und veranstalteten unzählige Filmabende...
 |
| Tödliche Redback-Spider (Rotrückenspinne) |
 |
| Brad und ich als wir Beckys Bestätigung fürs zweite Visum feierten |
 |
| freuchtfröhlicher, nächtlicher, voll bekleideter Besuch im Pool eines Bekannten |
 |
| Barmaids Laura (Finnin) und Becky |
 |
| Ausflug zu Wartungsarbeiten an Bahngleisen |
 |
| Wir waren es nicht - es war schon tot!!! |
 |
| Trish, Becky und ich |
 |
| Nürnberger Bernhard, den ich in Lucky Bay kennengelernt hab, hat mich hier im Outback besucht |
 |
| Tun wir es oder tun wir es nicht??? ... |
 |
| ... wir tun es!!!!!!!!!! |
 |
| Die Arbeiter, die hier im Motel übernachten, stellen Nachts ihre Arbeitsstiefel vor die Tür :D |
 |
| Ab und zu war ich joggen... schlappe 4km ^^ |
 |
| Zeitvertreib in der Bar - 50Cent-Stückchen aufeinander stellen |
 |
| Ich hab vier geschafft |
 |
| Besucher auf dem Badezimmer-Fenstersims |
 |
| Zum Abendessen bei Phillippino-Freundin und Küchenhilfe Ian und ihrem Mann Jimwell |
 |
| Karaoke-Nacht mit meinen Küchen-Girls bei Ian zu Hause. Phillippinos sind verrückt nach Karaoke!! |
 |
| Ian machte den Anfang |
 |
| Ian, ich, Vikky und Sarah |
 |
| Auch ich musste ran - es war schrecklich und nach Abbas 'Dancing Queen' hat es sich wirklich nicht angehört |
 |
| Sarahs Freund Hayden und Ians Ehemann Jimwell |
 |
| Mit meinen Kollegen auf dem Balkon. Becky, Lucia, Ich und Alex |
 |
| Schoko-Osterhase von Becky |
 |
Gründonnerstags-Besäufnis auf dem Balkon
Hier: Fox und Lucia |
 |
| Lucia und Becky |
 |
| Alex und Lucia |
 |
| Karfreitag - Ausflug zum Strand in Jurien Bay (2 Stunden Fahrt einfach) |
 |
| Da war wohl noch jemand geschafft von der gestrigen Nacht |
 |
| Unser Chauffeur |
 |
| Becky, Lucia und Mark springen von der Jetty |
 |
| Sandburgen bauen |
 |
| Auf der Rückfahrt schliefen sie dann alle drei ^^ |
 |
| Verrückter Abend - Becky und ich trugen je einen Schuh des anderen. |
 |
| Kleines Schoko-Osterei im Türrahmen von Chefin Julie |
 |
| Galahs |
 |
| Da hab ich mir mal was gegönnt :D |
 |
Roadtrain-Unfall in Dally... kommt davon, wenn man nur gerade Straßen hat... kommt dann mal
eine einzige Kurve, fliegt man raus... :( |
 |
Sieht schlimmer aus als es war - der Fahrer hatte 'nur' nen gebrochenen Arm... außerdem war er
anscheinend besoffen. |
 |
| Auf'm Weg nach Wongan Hills (70km entfernt) |
 |
| Hier gibt's im Pub sogar ne Tischtennisplatte... |
 |
| ...wir haben allerdings direkt den Ball geschrottet |
 |
| Eines Nachmittags hab ich Becky zum Frisör begleitet... |
 |
| ...und als sie hungrig wurde, hab ich ihr aus dem Pub ne Schüssel Cornflakes geholt... hahaha |
 |
So sahen wir am nächsten Morgen aus, wenn wir tags zuvor Party gemacht haben und
im gleichen Bett eingeschlafen sind. |
 |
ANZAC Day (Gedenktag der gefallenen Soldaten aller Kriege, in denen Australien und Neuseeland gekämpft haben).
Becky wollte allen ernstes in ner Jogginghose zur Gedenkfeier gehen - ich konnte sie aber überzeugen sich ne Jeans anzuziehen. |
 |
| Gedenkfeier |
 |
| Sarah, ich und Ian im Pub, als wir ne Live-Band hier hatten (27.April 2012) |
 |
| Die verrückten Philippinos wollten alle ein Bild zusammen mit mir und Gráinne und standen schon Schlange :D |
 |
;
Kirsten, Sarah, Tessa (Sarahs Schwester), Ian und ich bei der Band-Nacht |
 |
| Sarah, Harry und Tessa tanzen |
 |
| ...wir alle haben getanzt. |
 |
| Diese Tausendfüßler können ganz schön böse zu stechen |
 |
| Football... ich werde es nie verstehen oO |
 |
| Wenn Becky Tagschicht in der Bar hatte, hab ich ihr oft Gesellschaft geleistet :D |
 |
| Harry |
 |
| Als Lucia aus dem Pub ausgezogen is, hab ich ihr ein Glas Nutella zum Abschied geschenkt |
 |
| Lucia und Ron - ein Rentner ohne Zähne, der jeden Morgen Stunden an der Bar sitzt und Coke Zero trinkt. |
 |
| Megan, Lucia und ich |
 |
| Wir hatten eine lustige Fotosession im Pub |
 |
Gráinne, Lucia, Becky und Henning.
Henning und ich waren die einzigen Deutschen in Dally. |
 |
| Lucia, Helen, Gráinne und Becky |
 |
| Becky und Joe |
 |
| Ich, Harry, Henning, Lucia und Bec |
 |
| OHNE WORTE |
 |
| Lucia, Joe und Fox |
 |
| Pub-Hund Lucky. Sie bekam jeden Abend Fleisch, das auf den Tellern der Gäste übrig war. |
 |
Bei den Iren im Haus - nachdem der Pub schließt (unter der Woche um 22:00 und Wochenends um 00:00 Uhr
geht man meist noch zu jemandem nach Hause um weiter zu feiern. |
 |
Ein anderer Karaoke-Abend bei Ian zu Hause. Sie hat immer lecker
philippinisch für uns gekocht. |
 |
| Hayden und Sarah |
 |
| Ich und meine Küchen-Mädels |
...was
sollte man auch sonst groß unternehmen? Dally hat in dieser Hinsicht
leider nicht all zu viel zu bieten. Das Freibad hatte ab April
saisonbedingt geschlossen und da man zu den unmöglichsten Zeiten
arbeitet, hat natürlich kaum ein anderer frei, wenn man selbst seine
Schicht beendet hat. Immerhin hatte ich es nun endlich geschafft mein
Buch, das ich seit meiner Ankunft in Australien mit mir herum
geschleppt und bisher keine einzige Seite gelesen hatte, in nicht mal
einer Woche zu Ende zu bringen und da ich dann Lese-Nachschub
brauchte, führte mein Weg mich irgendwann zur ortsansässigen
Bibliothek. Hier wurde mir nach kurzem Geplauder jedoch mitgeteilt,
dass die kurzzeitigen Mitgliedschaften für Backpacker abgeschafft
worden waren nachdem sie einige Bücher einfach nicht zurück
bekamen. Wer macht denn sowas?? Einfach mit nem Buch abhauen, das man
aus einer Bibliothek ausgeliehen hat?? Da die Bibliotheks-Angestellte
und ich uns auf dem selben Terrain bewegten was Lieblingsthemen für
Bücher angeht, nahm sie mich aber beiseite und zeigte mir einige
Kartons voller Bücher, die die Bibliothek doppelt hätte und in
nächster Zeit an den Second-Hand-Shop spenden würde. Ich könne mir
hier 2-3 Bände aussuchen und unbezahlt und unbehelligt mitnehmen.
Das wäre schon in Ordnung. Oh man – wie nett, oder??? :D
 |
Eines der Bücher, die ich aus der
Bibliothek mitgenommen hab. Mal
schauen, ob ich dazu komme es
anzufangen. |
Außerdem
haben wir hier ein 'Staff-Car'... ein altes Auto, das Smiley vor
gefühlten 100 Jahren für seine Backpacker-Angestellten angeschafft
hat. Man braucht viel Geduld um die Karre zu starten, sie sieht innen
aus wie eine Müllhalde, man musste vor jeder längeren Fahrt das Öl
und Kühlwasser checken und man sollte nicht schneller als 90km/h
fahren, da anscheinend ein Backpacker mal bei 110km/h einen
Motorschaden verursacht hat. Ich konnte die Panik jedoch nicht
nachvollziehen – im Gegenteil: bei 110km/h lief die Karre durchaus
ruhiger als bei 90 und auch der Gestand nach Verbranntem wurde
weniger – hahaha. Man konnte den Tank entweder nicht mehr voll
tanken oder die Tanknadel der Anzeige spinnte – jedenfalls wusste
man nie genau wieviel Sprit man spazieren fuhr und wie weit man noch
kommt. Dies könnte durchaus zum Problem werden, denn immerhin waren
wir im Outback und manchmal ist die nächste Tankstelle 100km
entfernt – man muss eben jedes Mal tanken, wenn man die Möglichkeit
hat oO Und genau mit diesem abenteuerlichen Staff-Car bin ich an
meinen freien Tagen gelegentlich auf Tour gegangen. Ich war in
Joondalup (Vorort von Perth – 2 Stunden Fahrt einfach) und in
Midland (2 Stunden Fahrt einfach) shoppen, war zwei Tage bei einem
Bekannten in Toodyay (2 Stunden Fahrt einfach) und besuchte einen
anderen in Merredin (3 Stunden Fahrt einfach). In Australien ist es
überhaupt nicht aussergewöhnlich für einen kurzen Besuch eine
mehrstündige Fahrt auf sich zu nehmen – allerdings muss man sich
genau überlegen, ob man sein hart verdientes Geld tatsächlich in
Sprit investieren möchte – denn dieser ist in Australien auch
nicht umsonst.
 |
| Staff-Car... Schrottkarre!!! |
 |
| Hat schon einige KM auf dem Buckel |
 |
Und die Fahrertür war nur noch auf
Umwegen zu öffnen |
Ich
arbeite nicht nur drei Monate in einem Pub sondern lebte auch in dem
selbigen – dies wurde mit der Zeit ziemlich anstrengend: Man hat
nämlich nie seine Ruhe!! Selbst an freien Tagen traf man immer auf
Kollegen und die Chefs. Außerdem sind die Einheimischen und auch die
hier arbeitenden Iren so scharf auf Frischfleisch unter den Bardamen,
dass so gut wie täglich jemand heimlich zum Notausgang eingestiegen
und auf unserem Balkon erschienen ist, wo wir allabendlich nach
Feierabend gemütlich beisammen saßen. Das haben die Herren ganz gut
geregelt: nämlich am frühen Abend schon einen alten Stiefel in die
Notausgang-Tür geklemmt und nach Sperrstunde dann einfach die
Feuertreppe hoch gekommen. Da die Bardamen immer bis Ende arbeiteten
konnte natürlich auch keine den Stiefel aus der Tür nehmen, wodurch
dieser Job an manchen Abenden mir zu fiel (in der Küche arbeiteten
wir nur bis 20:30Uhr). Aber mal im Ernst: den Notausgang zu schließen
schreckte zwar ab – aber wenn jemand wirklich auf den Balkon will,
schafft er das auch ohne offenen Notausgang. Ich hab schon Kerle ne
Räuberleiter auf's Damen-Klohaus machen sehen, von wo aus man dann
auch auf den Balkon kommt. Wirklich schlimm wurde es nur immer, wenn
besoffene Pubgäste des Nachts noch an unsere Zimmertüren klopften
und um einen Schlafplatz oder mehr baten. Vor 'Staff only'-Schildern
hat hier nämlich scheints niemand Respekt und manchmal ging ich
wirklich mit einem mulmigen Gefühl über den Flur – man wusste ja
nie, wann wieder jemand auftauchen würde.

 |
| Der Stiefel in der Notausgang-Tür |
Schon
recht früh nach meiner Ankunft in Dally erfuhr ich, dass ich nicht
nur Sarahs rechte Hand in der Küche sein, sondern auch selbst in
naher Zukunft Küchenchefin spielen sollte. Sarah würde nämlich
Ende März für fast drei Wochen im Urlaub sein und brauchte in
dieser Zeit eine Vertretung. Und das sollte ich machen??? Jemand, der
es hasst für andere zu kochen aus Angst jemanden zu vergiften???
Jemand, der noch nie in seinem Leben ein T-Bone- oder
Porterhouse-Steak gebraten hat??? Jemand, der noch nie groß
Verantwortung im Job für irgendwas übernehmen musste, sollte jetzt
drei Leute herumkommandieren und dutzende von Mahlzeiten pro Abend an
den Gast bringen??? Jemand, der noch nie für mehr als zwei Personen
eingekauft hat soll nun die wöchentlichen Bestellungen für eine
Pubküche machen??? Ach du Sch...!!!!!!!
 |
Pub-Essen. Im Restaurant gab's dann nochmal einige
andere zusätzliche Gerichte |
Und
dann war es soweit: ich übernahm den Chef-Kochlöffel. Zunächst nur
an zwei Tagen pro Woche, an denen Sarah frei hatte und dann war sie
für drei Wochen mit ihrem Freund in Neuseeland.
Eins
ist klar: ich beschwere mich nie wieder im Restaurant, wenn mein
Steak nicht genau so gebraten ist, wie ich es bestellt habe – man
bezahlt zwar nen Haufen Geld für solch nen Mockel Fleisch... aber
der arme Koch hat unter Umständen ein dutzend Steaks auf der Platte,
von denen jedes unterschiedlich lang gebraten sein möchte und da is
es manchmal doch nicht ganz so einfach den Überblick zu behalten.
Außerdem wollen Australier ihre Steaks nicht wie bei uns in drei
Abstufungen (blutig, medium und durch)– sondern in fünf (rare,
medium-rare, medium, medium well, well-done). Da soll mir mal bitte
einer beweisen, dass er den unterschied zwischen einem medium und
einem medium-well Steak sehen oder schmecken kann!!! oO Im Normalfall
muss man aber glaube ich sowieso damit rechnen, dass man sein Steak
zu durch bekommt – also wieso nicht einfach Medium-Rare bestellen,
wenn man eigentlich Medium will? Kann so schwer doch nicht sein ^^
Gleich
an meinem ersten Abend ohne Sarah in der Küche kamen drei Gruppen à
8 Personen in das Restaurant spaziert – zuzüglich der Bestellungen
aus dem Pub musste ich ungefähr 60 Mahlzeiten zubereiten. Wo kamen
denn nur all die Leute her??? Die vorangegangenen Wochen war es in
Dally verhältnismäßig ruhig gewesen und nicht selten waren
schlappe 5 Gerichte pro Abend an der Tagesordnung sodass wir oft
sogar jemanden vom Küchenpersonal frühzeitig nach Hause schicken
mussten, weil es einfach nichts zu tun gab. Und kaum bin ich alleine
in der Küche kommen alle angerannt??? Das ist doch gemein!!! ...als
würden sie riechen, dass jemand Neues hier ist, den man auf die
Probe stellen mus :-/ Dieser erste Abend war jedoch noch lange nicht
der schlimmste meiner Chefkoch-Karriere hier in Dally: eine Woche
bevor Sarah ging, bekamen wir einen neuen Backpacker, der meine
Aufgaben an der Fritteuse übernehmen und mich unterstützen sollte.
Alex (21, Brite) ist zwar ein netter Zeitgenosse aber er sieht
einfach alles viel zu locker, cool und gechillt. Wenn er
beispielsweise zum Mittagessen das Geschirr spülen sollte, meinte er
immer, er hätte ja noch Zeit und bla bla – aber dass mir dann
irgendwann die Kochlöffel und Pfannen ausgingen wenn er mir die
gebrauchten nicht spült, hat er nicht kapiert. Außerdem konnte er
Ewigkeiten damit zubringen Servietten zu falten, während ich in der
Küche herumrannte und mir meine Beilagensalate selbst machen musste.
Auch mischte er immer das frisch zubereitete Gemüse mit dem
zwei-Tage-alten, das wir zunächst noch aufbrauchen sollten, sodass
wir am dritten Tag dann auch die frischen Sachen wegschmeissen
mussten. Zum Desaster wurde es aber erst recht, als er Abends an die
Fritteuse sollte – er hat Pommes halb frittiert (noch kalt innen)
raus geschickt, Gemüsebeilagen vergessen zu erhitzen bevor er sie
den Bedienungen mitgegeben hat und andauernd hat er mich die
banalsten Dinge gefragt – mich also beinahe in den Wahnsinn
getrieben. Ich war zwar verantwortlich in der Küche – aber ich
muss mich doch auch auf denjenigen verlassen können, der mir
zuarbeitet und kann nicht alles kontrollieren was er rausschickt,
oder??? Ich für meinen Teil hatte mir zumindest alles
aufgeschrieben, was Sarah mir je erklärt hat – sodass ich sie
künftig nicht mit immer den selben Fragen nerven musste – aber
Alex hat einfach immer und immer wieder gefragt und es sich auch nach
dem zehnten Mal nicht merken können. Da mir leider die durchaus
praktischen Gemütszüge für Geduld und Ruhe komplett fehlen (erst
recht, wenn ich selbst gestresst bin), war ich irgendwann
dementsprechend ruppig zu Alex und es kam nicht selten vor, dass ich
Küchenallraounderin Ian einfach an Alex' Platz an der Fritteuse
stellte und ihn den Abwasch machen ließ. So war zumindest
garantiert, dass meine Pommes auf die Teller kamen bevor sie wieder
bzw. immer noch kalt waren.
Am
Mittwoch, 28. März dann die Katastrophe: es kamen von 18:00-20:00
Uhr durchgehend Bestellungen rein – nicht unbedingt immer viele auf
einmal aber im Minutentakt kam Bestellung um Bestellung rein und ich
hatte einfach keine Zeit mal durch zu schnaufen oder überhaupt meine
Arbeitsfläche sauber zu wischen oder den Grill abzukratzen. Dazuhin
noch Alex' Unfähigkeit und seine ständige Fragerei und ich konnte
irgendwann einfach nicht mehr an mich halten und hab los geheult.
Ian, Vikky und Alex wussten gar nicht mehr, was sie sagen oder tun
sollten. Ich war derart überfordert und wirklich kurz davor alles
hinzuschmeißen, meine Sachen zu packen und zu fuß die 300km nach
Perth zu laufen. Wie können die hier von jemandem, der nie zuvor in
nem Restaurant oder Pub gekocht hat, erwarten, dass er solche Massen
abfertigt – und dazuhin noch einen Neuling einarbeitet, der sowieso
tut was er will und absolut keinen Plan von gar nichts hat? Ich
wusste einfach nicht mehr, wie mir geschah – konnte die ganze
Situation nicht begreifen und das Resultat waren 2 Stunden Tränen.
Da half es auch nicht, dass Becky und Chefin Julie abwechselnd alle
zehn Minuten in die Küche kamen um mir zu sagen, dass alles gut ist
– sich keiner über das Essen beschwert, alle zufrieden und satt
wären und ich doch endlich aufhören sollte zu heulen... im
Gegenteil... sowas macht es doch nur schlimmer. Und am Ende hab ich
glaub auch gar nicht mehr geheult weil ich heillos überfordert war –
sondern weil ich mich der Tränen schämte, die ich zuvor vergossen
hatte - hahaha. An diesem Abend schloss Julie die Küche sogar schon
um 20:00Uhr anstatt um 20:15Uhr, weil sie mein Dilemma nicht weiter
mit ansehen konnte und tat mir damit wirklich einen riesen Gefallen.
Wie
dem auch sei – es gab danach noch weitere solcher Abende... zwar
ohne Geflenne – aber ähnlich im Arbeitspensum und ich hab mir
einfach immer wieder gesagt, was meine Mama mir geraten hat: 'Lass
dich nicht wieder so stressen – einfach eins nach dem anderen.' Mir
war es dann auch wirklich sch... egal, ob manche Gäste fast eine
Stunde auf ihr Essen warten mussten... Julie hat mir versichert, dass
das normal und vollkommen in Ordnung sei bei so vielen Bestellungen.
Ich denke, sie war im Endeffekt wirklich zufrieden mit mir und meiner
Arbeit. Des Öfteren kam sie nämlich nach Feierabend in die Küche
um mir dies mit zu teilen und zwei Mal haben sie und Smiley mich
sogar zur Seite genommen um mir zu sagen, dass sie froh seien mich
hier zu haben und auch Sarah froh sein kann, dass ich ihre Vertretung
mache. Sie sagten allen Ernstes, dass die Küche – der Ofen und die
Herdplatten im Speziellen - schon lange nicht mehr so sauber und der
Vorratsschrank lange nicht mehr so gut sortiert gewesen sei wie in
den drei Wochen, in denen ich hier die Hosen an hatte.
An dieser Stelle möchte ich auch noch meinen speziellen Dank an T.S.aus F.in D. aussprechen für die moralische Unterstützung während meiner schlimmsten Stunden in der Dally Pub-Küche... danke für's zuhören und texten, wenn ich rumgemotzt hab :-*
 |
Wir hatten Pizzaböden im Freezer und eines Tages
hab ich mir ne Thunfisch-Pizza mit Zwiebeln gemacht.
Für Australier UNDENKBAR sowas zu essen oO |
 |
| Küchen-Bestellungen |
 |
Riesiger Mockel Fleisch... für
die Steaksandwiches... |
 |
....in Streifen schneiden und mit dem Fleischklopfer
flach prügeln. |
 |
| Apfelmuss durch nen Strohhalm trinken :D |
 |
| Lammkeule... soooo lecker |
 |
| Ian kocht für uns Küchenpersonal ihren leckeren Fried Rice |
 |
| Wir haben ihn alle geliebt!!! |
 |
| Bei der Arbeit... alle am Handy :D |
 |
| Ian hat für mich Phillippinischen Schoko-Reis gekocht... |
 |
| ...mit Milch hatte ich das fast eine Woche lang zum Frühstück |
 |
Überreife Bananen hab ich vor der wegwerfwütigen
Sarah gerettet und Bananenmilch daraus gemacht |
 |
| Kichererbsensalat |
 |
| Vicky und ich beim Nutella-Brot mampfen |
 |
| Normaler Abend im Pub... Hot Plate voll mit Steaks |
 |
| PFANNKUCHEN!!!! |
 |
| Becky war total scharf auf meine Pankaces |
 |
Grainne und ich - sie wird meinen Platz in der Küche
übernehmen, wenn ich Dally verlasse. |
 |
Da hatte ich mit dem Spülmittelkanister nen
kleinen Unfall :D |
 |
Sogar an Kartoffel-Rösti hab ich mich versucht - sind mir aber
verbrannt oO |
 |
| Küchen-Schicht-Plan und To-Do-Lists |
 |
| Zwei Garnelen - ein Herz :D |
 |
Ich hab dummerweise kein 'Vorher'-Bild gemacht... aber
der Herd sah schlimm aus oO |
 |
| Hier sieht man an der Wand links nachher und rechts vorher |
 |
Mit nem Handbesen hab ich monatealte
Essensreste, tiefend vor Fett, unter dem Herd
und der Fritteuse vorgekehrt |
 |
Ich hab nen Apfelkuchen als Nachspeise für's
Restaurant gebacken - im Endeffekt haben wir in der
Küche allerdings den ganzen Kuchen selbst gegessen. |
 |
| Fried Rice |
 |
| Popcorn als Snack in der Küche |
 |
| Irish Stew für St.Paddys Day |
 |
So sah es aus, wenn Alex den Abwasch machte.
Dreckiges Geschirr überall. |
 |
Nicht die einzige Verbrennung, die ich
mir zugezogen habe... |
 |
| ...nur die beiden schlimmsten. |
 |
Julie wollte Kartoffelsalat - sie hat nen Schwäbischen
bekommen und ihn geliebt!!! |
 |
| Klößlesuppe |
 |
| Ian hat selbstgemachte Frühlingsrollen mitgebracht |
 |
| Meine Bolognese-Sauce war DER Renner!! |
 |
| Ich hab sie literweise gekocht |
 |
| In riesigen Töpfen |
 |
Drei Ettagen voll im großen Kühlschrank
mit Spaghetti Bolognese, die vom
Football-Club als Catering abgeholt wurden |
Die
Arbeit in einer Pub-Küche hat zwar den Vorteil, dass man immer an
der Quelle sitzt, wenn es um Mahlzeiten geht – andererseits
bestehen diese aber größtenteils aus frittierten Speisen. Es wird
einfach alles in die Fritteuse geschmissen oder in der Pfanne in Fett
ertränkt. Die Gemüsebeilagen sind außerdem komplett ungewürzt.
Gelbe Rüben, Weißkohl, Spargel, Mais, Erbsen, Bohnen, Kürbis –
alles wird einfach nur gekocht und ungewürzt serviert. Nach
Rückfrage meinte Sarah, dass das hier eben normal sei – die Gäste
würden nur mit Salz und Pfeffer würzen... aber so ganz ohne
Geschmack??? Nee nee nee... nicht mein Fall – also blieb ich
vorerst bei den ungesunden Sachen und nach nur wenigen Wochen sah ich
aus als würde ich explodieren – wer mich kennt, kann sich
natürlich vorstellen, dass ich ständig am naschen war und von jedem
Teller mindestens ein Pommes in meinen Magen gewandert ist. Da bleibt
natürlich eine Gewichtszunahme nicht aus, die sich darin bemerkbar
machte, dass meine Arbeitshose im Schritt aufplatzte als ich mich
eines Abends bückte und ich auch meine Jeans kaum noch zu bekam. Es
musste sich also was ändern und ich begann jeden Tag nur Reis und
Garnelen zu essen... wovon ich jedoch auch schnell die Nase voll
hatte und mir irgendwann allein vom Garnelen-Geruch schon übel
wurde. Außerdem sah ich in jedem Porterhouse-Steak, das raus ging,
einen leckeren Zwiebelrostbraten mit Spätzle und so beschloss ich
eines Tages mich dieser Aufgabe anzunehmen: Es war zwar kein
Rostbraten sondern 'nur' ein Steak vom Grill, die Soße war viel zu
weinlastig und die Spätzle waren keine Spätzle sondern Knöpfle.
Aber im großen und ganzen war meine Kreation total lecker!!!! Wie
ich die Spätzle hergestellt habe, war allerdings ein Abenteuer für
sich – ich hatte mir nämlich nach Rücksprache mit T.S.aus F.in D.
den Spätzleria von Tupper
(http://www.tupperware.de/produktwelt/combiplus-spaetzleria
) zum Vorbild genommen und in eine Aluminiumschale mit einem Kuli
Löcher gestochen, sie über einen Topf mit kochendem Wasser
gestellt, den Teig eingefüllt und mit einem Holzkochlöffel darin
herumgeschabt bis unten aus den Löchern die Knöpfle heraus ins
Wasser plumpsten. Unglücklicherweise backte der Teig in der Schale
durch die Hitze fest und verstopfte die Löcher, sodass ich aus Teig
für vier Portionen lediglich eine Handvoll Knöpfle heraus brachte –
dennoch war ich zufrieden mit dem Ergebnis.
 |
| DieHose hat's zerrissen OO |
 |
| Mein Special: Chicken Parma und Pommes in einem Burger |
 |
| Würstle werden hier frittiert |
 |
| Wir haben neue Töpfe von Julie bekommen.... BLAU :D |
 |
| Mein Spätzle-Versuch... |
 |
| ...endete mit festgebackenem Teig... |
 |
| ...und nur nem kleinen Dessert-Teller voll Spätzle... |
 |
...bzw.Knöpfle. Aber auch darauf kann man Kässpätzle
machen... |
 |
.... und nem Zwiebelrostbraten als Beilage geben.
Die Zwiebeln hab ich übrigens in Mehl geschwenkt
und dann frittiert, damit sie knusprig werden.
Die Soße hab ich zusammengepfutscht aus Bratensoße
mit Rotwein. |
Der
unangenehme Teil der Arbeit im Pub waren meine montaglichen Schichten
in der Bar. Da ich allein durch die Arbeit in der Küche meine
Wochenstunden (38h) nicht voll bekam, musste ich Montags noch in der
Bar ranhalten. Hierzu musste ich – obwohl ich eigentlich als
Küchenhilfe angestellt war – doch noch das RSA (Australische
Genehmigung zum Ausschank von Alkohol) für 60Dollar im Internet
machen und mich dann von 17:00-22:00 Uhr Montags hinter die Bar
stellen. Ich bin eher der Typ für 'hinter den Kulissen' – ich mag
es nicht im Mittelpunkt zu stehen und das tun hier die Bardamen
definitiv. Nicht umsonst wollen Julie und Smilie die Barmaids nur
weiblich und alleinstehend. Frau soll nämlich mit der vorwiegend
männlichen Kundschaft ordentlich flirten – so gehen mehr
Bestellungen über die Theke. Außer der Tatsache, dass ich es
überhaupt nicht mochte von allen angegafft und zugelabert zu werden
kam noch hinzu, dass man bei nur einer Barschicht pro Woche nun
wirklich nicht in die Arbeit rein kommt. Ich musste quasi jede Woche
von Neuem die Preise, das Kassensystem und die Anordnung der Flaschen
in den unzähligen Kühlschränken lernen und kam mir teilweise vor
die der letzte Idiot, der überhaupt gar nichts kapiert. Man sah mir
meine Qualen wohl an – denn die meisten Pubgäste versuchten mich
all-montaglich aufzuheitern und waren geduldig mit mir. Manchmal
rissen sie sogar Witze und meinten, ich würde drein schauen, als
hätte man vor wenigen Minuten meinen Hund überfahren – hahaha.
Außerdem
ging es eine Zeit, bis ich mich – als Barmaid sowie als Pubgast auf
der anderen Seite der Bar – daran gewöhnt hatte, dass hier im
Outback Pub einfach jeder seinen Geldbeutel oder Bargeld an der
Stelle auf dem Tresen liegen lässt, wo er zu Beginn des Abends
angefangen hat zu trinken. Mit zunehmendem Alkoholpegel geht man dann
natürlich auf Wanderschaft im ganzen Pub und hält sich mal hier und
mal da auf. Die Herausforderung für die Barmaids ist in dem Fall:
selbst wenn der Gast am anderen Ende der Bar was bestellt, immer noch
zu wissen wo dieser zu Beginn des Abends seinen Bargeldhaufen oder
seinen Geldbeutel liegen gelassen hat und einfach das Geld dort weg
zu nehmen. Becky beispielsweise kann sogar die PIN-Zahlen unzähliger
Kreditkarten von Stammkunden auswendig, die ihr einfach immer nur die
Karte zum Bezahlen geben ohne ihr zum Terminal zu folgen, wo die PIN
eingegeben werden muss.
Das
Gute in der Zeit, in der ich Sarah als Köchin vertreten hab, war,
dass ich von den Barschichten befreit war – und als Sarah wieder
hier und Alex und ich beide nur noch Küchenhilfen waren, sah ich es
überhaupt nicht ein, dass ich zusätzlich in der Bar arbeiten
sollte, während Alex keine Extra-Stunden machen musste. Wäre das
nicht sogar eine Art der Diskriminierung? Nur, weil ich eine Frau
bin, muss ich zusätzlich in der Bar arbeiten während Alex Däumchen
drehen darf? In einer etwas abgeschwächteren Form hab ich dies auch
direkt Chefin Julie wissen lassen und sie stimmte mir zu, dass es
unfair wäre und strich mich vom Bar-Schichtplan. Als ich das Sarah
erzählte schaute sie mich mit großen Augen an, da hier wohl sonst
niemand wagt sich gegen Julie aufzulehnen. Aber irgendwie muss ich
bei Julie wohl echt nen Stein im Brett haben – sie war nämlich
keinesfalls sauer oder fühlte sich auf den Schlips getreten. Auch
nicht, als ich ihr eines Abends klipp und klar sagte, dass es von
einem ungelernten Koch etwas zu viel verlangt sei das stressige
Ostergeschäft im Restaurant zu übernehmen. Auch hier stimmte sie
mir zu und beteuerte erneut, wie froh sie sei, das ich durchgehalten
hatte.
Es
gab hier allerdings so einige strenge Regeln, die uns von Julie
auferlegt wurden: pro Schicht konnte man sich nur ein Getränk
nehmen, während der Arbeit in der Bar waren keine Handys erlaubt,
man durfte sich nicht am Tresen abstützen, bzw. mit den Ellbogen
darauf lehnen, jeder Klogang musste angekündigt und jede
Zigarettenpause erbeten werden, wir duften nicht zu oft teure Steaks
zu Abend essen, wir mussten wöchentlich unsere Zimmer saugen und die
Bettwäsche waschen und wenn man gegen eine dieser Regeln verstieß
wurde man von Julie gemaßregelt wie ein kleines Kind das sich
heimlich am Honigtopf zu schaffen gemacht hat. Außerdem wusste Julie
einfach alles – genauso wie ein Hirte alles über seine Schäfchen
weiss: sie wusste Bescheid, welche Barmaid mit welchem Pubgast nach
Feierabend noch einen Videoabend machte oder auf einer Hausparty war.
Sie wusste morgens ganz genau, wer des Nachts noch auf den Balkon
gestiegen kam. Und wenn man einen über den Durst getrunken hatte,
konnte man es sowieso nicht verheimlichen. Julie wusste einfach
alles. Und was Julie wusste, weiß im Handumdrehen der ganze Ort.
Manchmal war das ganz schön unheimlich – aber irgendwelche Kameras
in den Angestellen-Unterkünften oder auf dem Balkon konnte ich nicht
finden ^^
Was
den Alkoholkonsum angeht, so ist dies traurigerweise Hobby Nummer 1
hier – es war ganz schön anstrengend sich den ständigen
Einladungen zum Besäufnis zu entziehen. Außerdem war ich ja auch
hier um Geld zu verdienen und in erster Linie auch Geld für meine
nächsten Unternehmungen zu sparen und wollte mich nun beim besten
Willen nicht jeden Abend besaufen. Aus diesem Grund – und weil ich
tagsüber ja sowieso nur Wasser trinke und mir nur jedes Schaltjahr
mal ne Cola genehmige – fing ich nach Rücksprache mit Julie an
meine täglichen 'Staff-Drinks' in Alocpops umzuwandeln und in meinem
Zimmer zu bunkern bis ich genug zusammen hatte um mir und Becky einen
feuchtfröhlichen Abend bescheren zu können. Tja – ich bin und
bleibe nunmal Schwabe :D
Und
ich bin nicht nur Schwabe sondern auch etwas grün angehaucht...
deshalb ging mir hier die Verschwendung ziemlich gegen den Strich,
derer ich täglich Zeuge wurde: in der Küche wurden
Aluminium-Einwegschalen einfach für alles benutzt und danach
weggeschmissen – als könnte man nicht nen Teller nehmen und danach
spülen – die Spülmaschine lief ja eh alle fünf Minuten (egal ob
voll oder nicht). Genauso wie wir in der Küche immer aus
Plastikbechern tranken, obwohl wir an der Quelle der Tassen und
Gläser saßen. Auch bei den abendlichen Trinkgelagen auf dem Balkon
gab es nur Plastikbecher – wieso nicht einfach Gläser mit hoch
nehmen und am nächsten morgen wieder ins Pub zurück bringen? Ich
verstand die Welt nicht mehr. Außerdem standen regelmäßig Autos
vor'm Bottleshop mit laufendem Motor, weil die Fahrer kurz was im
Shop kaufen wollten. Ich sah sogar jemanden, der sein Auto laufen
ließ, während er im Pub ein Feierabend-Bier trank. Wenn ich mit
Becky Abends im Bad gemeinsam Zähne geputzt hab, hab ich immer den
Wasserhahn abgedreht – man braucht ja nun wirklich nicht das Wasser
laufen lassen, während man sich die Zähne putzt – diese zwei
lächerlichen Handgriffe sollten nicht zu viel verlangt sein. Es
waren immer nur Kleinigkeiten und ich wollte nie jemandem meine
Meinung aufdrücken – hab immer nur gesagt, wie und wieso man es
anders machen 'könnte' – und dies nahm Sarah irgendwann zum Anlass
mich zum Spaß gelegentlich 'Greenie' (australisch für 'Öko') zu
nennen. Geändert hat sich allerdings nichts am Konsumverhalten
meiner Kollegen und Bekannten – man trinkt immer noch aus
Plastikbechern, stellt dem Hund ne Aluminiumschale anstatt einer
spülmaschinenfesten Schüssel hin, lässt die Klimaanlage im Zimmer
den ganzen Tag laufen obwohl man arbeiten ist, alle verfügbaren
Lichter brennen und das Auto laufen, wenn man schnell was einkaufen
geht... es ist wirklich schwer zu verstehen, wieso nicht jeder ein
winzig kleines bisschen Mehraufwand betreiben und so seinen Teil zum
Ganzen beitragen kann... aber man kann die Welt nunmal nicht von
einem Tag auf den anderen ändern, gell?!?! :-(
Sonstige
Geschehnisse:
ich
traf einen australischen LKW-Fahrer, der – als ich erzählte, dass
ich Deutsche sei – plötzlich anfing in krassestem
Schweizer-Deutsch zu reden. Wie ich geglotzt hab, kann man sich wohl
vorstellen – von Australiern erwartet man nicht, dass sie eine
andere Sprache sprechen als Englisch. Immerhin ist Englisch der
Schlüssel zur Welt und wird überall verstanden. Und wenn einer
dann mit solch ner Extrem-Version der deutschen Sprache daher kommt, staunt man dann schon
mal nicht schlecht.
Meine
japanische Wwoofing-Freundin Hitomi, mit der ich in Victoria
unterwegs war, kontaktierte mich einges Tages via Facebook um zu
fragen, ob ich in Lucky Bay eine Gruppe Koreaner kennengelernt
hätte. Sie hätte das Bild meines Tattoos auf der Camera ihres
Kumpels gesehen, den sie gerade in Korea besucht. Ach du Sch... -
wie klein diese Welt doch ist!!!
Genauso
widerlich, wie ich Vegemite finde – empfindet Köchin Sarah über
Nutella. Sie versteht nicht, wieso man sich Schokolade aufs Brot
schmieren sollte und ich kann absolut nicht nachvollziehen, weshalb
man sich Suppenwürze aufs Brot packt – hahaha.
Ist
man im Outback im Auto unterwegs und trifft nur alle halbe Stunde
auf ein anderes Auto, winkt man sich gegenseitig zu – wie es bei
uns daheim die Motorradfahrer zu tun pflegen. Man freut sich hier wohl nur einfach
ein anderes Lebewesen zu sehen zu bekommen.
Nachdem
der Freibadwärter und Rettungsschwimmer sah, wie ich meine
Bahnen im Pool drehte, lud er mich ein am Wettbewerb 'Dally to
Rotto' teilzunehmen. Jedes Jahr gibt es in Perth ein Wettschwimmen,
das von Perth nach Rottnest Island geht und ungefähr 19km lang ist.
Um hier in Dally den Einwohnen einen Ansporn zu geben sich fit zu
halten und zum Pool zu kommen veranstalten sie was ähnliches: man
lässt nach jedem Besuch seine geschwommenen Runden aufschreiben und
wenn man am Ende 19km (760 Bahnen) geschafft hat, bekommt man ein
T-Shirt. Da die Saison nur wenige Wochen nach meiner Ankunft zu Ende
war, schaffte ich leider nur 200 Bahnen – aber bekam dafür
zumindest ein Armband :)
Gelesene
Bücher während meiner Zeit in Dally:
'Blut
und Silber' – Sabine Ebert
'Jane
Eyre' – Charlotte Bronte
'Das
Fest' – John Grisham
'Sie
da oben, er da unten' - Cordula Stratmann
'Der
Alchimist' – Paolo Coelho
- Und übrigens: Schulenglisch ist echt ein Witz. Vergesst alles, was ihr gelernt habt. He/she/it - das S muss mit... hier sagen alle 'It DON'T matter' - was ich eigentlich als 'It doesn't matter' gelernt hab. Außerdem höre ich ständig 'you WAS' anstelle von 'you were'. Ob das nun Slang oder einfach nur faules Englisch ist, hab ich noch nicht herausgefunden - tortzdem verwirrt es mich zunehmend.
 |
| Boyds Traktor |
 |
Computer im Traktor, der alles berechnet, was
gesprüht wird |
 |
| Find me!! |
 |
| Boyd und ich |
 |
| Der Sprayer ist so breit, ich hab ihn kaum auf ein Foto bekommen. |
 |
| Ganze Nacht über gesprüht... und plötzlich war es wieder Tag |
 |
| Ich durfte auch mal fahren :D |
 |
An nem anderen Tag waren wir dann Schafe zusammen
treiben |
 |
| Und mussten eines retten, das sich im Zaun verfangen hatte |
 |
| Galahs überall |
 |
| Und Schafe überall :D |
 |
| In der farmeigenen Werkstatt |
 |
| am Tag als der neue Sprayer geliefert wurde |
 |
Der so hoch ist, dass ich bequem darunter
stehen kann |
 |
| Werkstatt |
 |
| Und ne andere Nacht sprayen |
 |
| Eine Rainmoth - 'Regenmotte' - riesige Falter!! |
 |
| Nach'm Sprayen gab's dann Frühstück bei Boyd daheim |
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen